Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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— 395 vorzüglich der Genuß, den ihre Werke kundigen Lesern gewähren. Die neueren deutschen Uebersetzungen derselben sind Nachbildungen, in denen die so charakteristische Anwendung der alten Literatur gänzlich verwischt ist. In dichterischem Schwünge, ja selbst imadäquaken Gedankenauödrucke übertreffen sie oft ihr Original. Ganz entbehren sie aber des Reizes, welchen lezteres dem kundigen Leser dadurch gewährt, daß es denselben jeden Augenblick einem alten Bekannten begegnen läßt. 14. Lebensbilder der mittelalterlichen Poeten. Alten Bekannten begegnet nun der Forscher auch in den Lebensbildern der mittelalterlichen Poeten. So braucht er sich seinen Augenblick auf die Quellen folgender Betrachtung eines deutscheu Pajetan zu besinnen: ״Fürwahr, du hast sie geschaffen und kennst ihr Schaffen: sie sind Fleisch und Blut! Der Mensch — das Element, aus dem er wird, ist Staub und sein Ende — zu Staub. Mit Gefahr seines Lebens erringt er sein Brod. Er gleicht der zerbrechlichen Scherbe, dem dorrenden Grase, der welkenden Blume, dem dahinfahrenden Schatten, der schwindenden Wolke, hem wehenden Winde, dem verfliegenden Staube, dem nichtigen Traume. Du aber bist König, ein lebendiger, unvergänglicher Gott!" — Diese Worte bilden den Schluß eines Gebetstückes, welches das Gottesgeeicht des Neujahrs- und Versöhnungstages ans eine erschütternde Weise ausmalt. In diese!» jünger» zum Herzen sprechenden Pijjnt, kulminirt bekanntlich die gottesdienstliche Feier der erwähnten hei-!!gen Feste, zur nicht geringen Hintansetzung Kalirs und seiner unmittelbaren Nachahmer, deren gekünstelte Verse und Akrosticha den Leser ermüden und den Beter kalt lassen! Hat ja bei ihnen selbst der gründlichste Kenner Mühe, seine alten Bekannten wieder zu erkennen, da dieselben durch das ihnen uingehängte fremdartige Gewand oft unkenntlich geworden siud! Auf eine leichte, ungezwungene Weise treten die biblischen und mitunter thalmndischen Reminiszenzen in den Lebeyshetrachtungen der arabischen Schule hervor. Die ältesten derselben enthalten ein Gebet R. Saadia Gaoyö. Der Dichter zeichnet die Wandelbarkeit menschlichen Wissens, menschlicher Kraft und menschlichen