Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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— 394 — ten ganz unbekannt. Abschriften altrömischer Werke waren so wenig verbreitet, bafj. die so berühmte Pariser Bibliothek zu Anfang des 14. Jahrhunderts nur vier alte Schriftsteller besaß: Cicero, Ovid, Lucan und Boethius. Den nenhebräischen Dichtern dagegen waren die alten Quellen jederzeit zugänglich. Die Vervielfältigung biblischer Handschriften galt als Religionspflicht. Der Anfertigung von Musterhandschriften der Thora widmeten selbst Gelehrte ersten Raitges, wie R. Gerschon b. Jehuda in Mainz, Josef de Bonfils in Limoges und Maimonides ihre kostbare Zeit. Der Eifer der Gelehrten und, die Munifizenz der Reichen sorgten dafür, daß es auch an Handschriften nachbiblischer Werke nicht fehlte. Das heilige Vermächtniß Israels wurde nicht verdrängt^von der Zeit, obgleich dieselbe stark genug war, die Erben Roms ihres geistigen Erbes zu berauben. Aus dem Umgänge war indeß die hebräische Sprache gänzlich verdrängt worden; die Vorliebe Einzelner für hebräische Kon-- versation konnte selbst auf Kundige und Gelehrte keinen Einfluß ansüben. Die Dichter schöpften mithin ihre Kenntniß des Hebräischen ausschließlich ans Büchern. Anhaltendes Studium verschaffte ihnen eine innige Vertrautheit mit der biblischen und nachbiblischen Literatur. Sie konnten sich also der in sich aufgenommenen Gedanken und Bilder nicht entschlagen und wollten es auch nicht. Daher die Abhängigkeit von der ältern Literatur, welche die Sänger der arabischen Schule eben so charakterisirt, wie die eigentlichen Pajetanim. Denn auch erstere verwenden unaufhörlich die von früheren Geschlechtern angelegten Kapitalien, nur daß sie aus der Schatzkammer der Bibel öfter borgen, als ans der des Thalmud und des Midrasch, während die sranko-germanischen Nachfolger Kalirs nach dem Vorgänge ihres Meisters das Entgegengesetzte thun. Hatte vollends der behandelte Stoff Anhaltspunkte in dem ältern Schriftthum, wie dies rücksichtlich der religiösen Poesieen der Fall ist, so strömten ihnen die alten Bilder, Vergleichungen und Redensarten unwillkürlich in reicher Fülle zu. Wo dies nicht der Fall war, wußte ihr Witz auch das Fernliegende auf eine überraschende Weise zu benützen. Hierin hat die arabische Dichterschule eine bewundernswürdige Meisterschaft erreicht. Hierin liegt