Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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— 390 — sich die jüdische Eregese nicht früher als in der arabischen Kulturepoche;«gewendet. Die wahrend dieser Epoche erzielten Resultate sind von großer Bedeutung und Wichtigkeit. Die praktische Schriftauslegung, also auch die Deutung biblischer Lebensbilder, stammt aus älteren Zeiten. Dev Geist jener Zeiten ließ jedoch die Deükung nicht selten zur Deutelei werden. Selbst vor Mißverstand des Bibelwortes vermochte man sich kaum zu hüten. Das Bekenntniß גר אנכי בארץ (Ps. 119, 19.) deutet ein Midraschlehrer also: ״War denn David ein Proselvte Keineswegs! Er will vielmehr sagen: ״Unwissend in der Thora, wie der Proselyte von heute, bin auch ich; daher flehe ich: verbirg mir, o Herr, nicht deine Gebote 2)!" Diese von dem Schlnßdistichon des Verses begünftigte, aber an sich höchst befremdliche Deutung hat ihren Grund in der Gewohnheit der alten Lehrer, den in ihrer Zeit herrschenden neuhebräischen Sprachgebrauch ans den biblischen HebräisMus zn übertragen 3). Denn, wenn man sich auch bewußt war, die Schulsprache gehe mit der Sprache der Bibel nicht immer Hand in Hand 4), so hielt man dieses Bewußtsein doch nicht immer in gleichem Maße wach, und überließ sich daher manchen überflüssigen Diskussionen3). Dieses Verfahren bietet nun den Schlüs-» sel zu der so fremdartigen Deutung des in Rede stehenden Psalm- Verses: ר) , welches biblisch ״Fremdling" bedeutet, bedeutet im Nenhebräischen ״Proselyte °)!" 2) Midr. Tehill. z. St. oll. Veu. 50, c. 3) Längst anerkannt ist diese UebcrtragNug in Beziehung ans!Wörter wie צדקה und עולם• Jenes bedeutet althebräisch ״Gerechtigkeit, Tilgend, Heil", nenhebräisch ״Almosen": dieses wird im Althebräischen zur Bezeichnung verschiedener Grade von Zeitdauer gebraucht, im Nenhebräischen bedeutet es, wie iM Aramäischen ״Welt". Die übertragende Aussassnug war so gang und gäbe, daß die wahre Bedentniig von צרקה kaum Mehr berücksichtiget wurde. (Ber. 17, b. Sukka 49, b. Kcthub. 50, a. B. Bathra 8, b. ff.) Hieher gehört auch die Dentnng von 4 פקודת M. 10, 29. als ״Besuch" was allerdings bloS für eine Jndigitation genommen wird (Red. 39, b). ׳־) Ab. Sara 58, b,: .לשון חכמים לעצמה לשון חורה לעצמה ף Pessach. 2, a. ff. S. Jad. Maleachi 1. 354. b) Spuren dieser Übertragung finden sich schon in der Septuaginta. Die Tharpttmiin werden davon beherrscht (Geiger's Urschr. 331 ff.) Ebenso die