Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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379 — weckt, hat ihn zur Selbstthätigkeit erzogen. Hören wir, was Hr. S. darauf antwortet. Er sagt: Die Jugend thut Alles nur nicht denken, kann es nicht, soll es wol auch nicht, weil — die Kinder sich ohne Denken sehr gut behelfen, und dabei sehr glücklich sind n. s. w. Armer Schulmeister! Ich habe dich immer vom Herzen bedauert, weil du mit der Bornirtheit und dem Unverstände so vieler Aelteru zu kämpfen hast, welche deine schönst en Entwürfe mit rohem Sinne durchkreuzen. Eines nur kann in diesem Kampfe dich aufrecht halten. Du verkehrst ja nicht immer mit diesen Eltern; in deiner Schule hast dm es mit einer Jugend zu t'hun, die, vom Vorurtheile noch nicht geblendet, sich des Denkens und der Arbeit freut. Deine Saat fällt hier auf einen Boden, von dem du die besten Früchte erwarten kannst. Hr. S. beraubte dich nun auch dieses lezten Trostes, er sagt dir: Das Kind kann nicht, sott nicht denken. Der Lehrer ist also das allein denkende Wesen in der Schule. ״Und da hing ich, und war mir's mit Grausen bewußt Vom menschlichen Wesen so weit, Unter Larven die einzig fühlende Brust, Allein in der gräßlichen Einsamkeit." Herr S. ist freilich der erste und gottlob der einzige, der uns mit dieser freundlichen Entdeckung erquickt, doch er hat es einmal schwarz auf weiß behauptet. Ich weiß es wahrlich nicht, was für eine Schule das sein mag, in der die Kinder nicht denken können und sotten? Ist nicht die Sprache der organische Leib des Gedankens, und müssen sich nicht in der Sprache die Gesetze des Denkens vorfinden? Kann und sott aber das Kind nicht denken, so kann und soll es auch nicht sprechen. Was will nun der Lehrer mit sprach- und gedankenlosen Kindern beginnen? Doch nein, es muß Hrn. S. nicht Ernst mit seiner Behauptung sein, er ist ja moderner Lehrer und wird als solcher wissen, daß auch bei der allgemeinen deutschen Lehrerversammlung, die am 15. Juni d. I. in Koburg tagen wird, das Thema erörtert werden sott: Was hindert noch, in den gegenwärtigen Sch uleinrichtungen und Ln der herrschenden UnterrLchtsweise, den Lehrer seine Schüler zum Denken zu bringen und wie sind diese Hindernisse zu beseitigen? Hr. S. hat diese Frage freilich kurz beantwortet, er hatten Knoten, wenn auch nicht geschürzt, doch durchgehauen. Er sagt: Die Jugend ' kann nicht denken. Daß aber Hr. S. von der Jugend anders denkt, als er uns bisher glauben machen wollte, beweist sein ad II von unfern Schulen abgelegte Bekenntniß. Er sagt: Die Zöglinge erhalten klare Anschauung, ihr Verstand lernt in einfachen Formen denken, ihre Phantasie lernt lebhaft, ihr Gedächtniß treu malen. Ich weiß zwar nicht, was es denn sagen will, in einfachen Formen denken, da es keine komplizirte Denkformen gibt; doch genug, unsere Jugend lernt denken, phantast'ren u. s. w. Wie fich aber dieses mit dem ersten Urtheile, daß die Jugend weder denken kann noch soll, verträgt, darüber ist uns Hr. S. Auskunft schuldig geblieben.