Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 8-9 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543103--0982-2544673- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 360 — tauen vorliegen, welche Jemand zusammen getragen hatte, ohne später die Muße zu haben, das Material zu ordnen und es seinem ursprünglichen Plane gemäß zu verarbeiten. — Das Eine nur bleibt festgestellt: die Sammlung geschah, wie aus dem Ganzen deutlich zu ersehen ist, zu einer Zeit, wo neben der künstlichen Deutungsweise, auch die mit Wort- und Sachverständniß gemachten Erklärungen Anklang und Beförderung fanden. §. 55. Noch ein Moment ist sehr zu beachten. Als in den letzten Jahrhunderten des zweiten Tempels die griechische Philosophie sich der jüdischen Geister zu bemächtigen anfiug, bildete sich bei begabtern Geistern eine eigenthümliche Nationalphilosophie, welche denselben über den wichtigsten Fragen des Menschengeistes Ausschluß geben sollte. Als zu Ende der geonäischen Periode der arabische Peripatetismus auf das Judenthum einzustürmen begann, schaarten sich die innigeren Gemüther um die Fahne der alten Philosophie, um diese zur neueren Kabbala ausbildend, sahen sie in derselben eine mächtige Antithese gegen den flachen Nationalismus erstehen.') In dieser Zeit wurde wahrscheinlich Alles auf jene alte Philosophie Bezug habende mit Aengstlichkeit ausgesucht, Vieles ohne alle kritische Sichtungabgeschrieben, so daß schon damals viel Unechtes niit in den Kauf kam. Befähigte arbeiteten dann natürlich homiletische Vorträge im Geiste dieser Lehre aus, und so unternahm man als etwa im 13. Jahrhundert dieses Material zu einem bedeutenden Quantum angewachsen war, die Sammlung derselben. In dieser Sammlung sind manche alte Sätze und Grundlehren mit Stücken von sehr verschiedenen Zeiten zusammengeworfen. Die verschiedenen Elemente sind aber nicht schwer zu erkennen, da sich für den, der mit dem Ganzen der jüdischen Studien jener Zeiten nnr einigermaßen vertraut ist, in Stil, Darstellungsweise und Lehrart häufige und sichere- Kriterien darbieten. ') Erst später fing man Aristoteles mit der Kabbala unnatürlicher Weise zu verbinden an.