Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 331 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 331 — dem hier wolbekannten Umstande aber, daß es in unserer Mitte keinen einzigen Träger dieses ״Familiennamens" giebt, muß ich annehmen, Referent habe sich solchen feiner Eigenschaften wegen, die er etwa mit dem Hirsche gemein haben mag, als ״Eigenschaftsnamen" beigelegt. Und in der That sind an diesem Vierfüßler so viele ״menschliche" Eigenschaften, wie sonst bei keinem andern, wahrzunehmen, z. B. Neugierde, Liebe zur Gesellschaft und Musik, Ueberschätzung äußern Schmuckes, dessen Verlust ihn äußerst betrübt, und öftereVerättderung der natürlichen Farbe. Habe ich es nun mit einem ״Unbekannten" zu tyun, für dessen Rechtlichkeit und Unbescholtenheit schon nach Justinianischer Rechtsanschauung die Vermnthuttg streitet, so will ich seinen Bericht in einer Weise interpretiren, die denselben der Wahrheit am nächsten bringt, und will selbst da, wo dies nicht thunlich ist, dem ״Unbekannten" lieber irrige Auffassung , als böswillige Entstellung der Thatsachen zur Last legen. ״Nnghvär zählt zu den gebildetsten Städten Ungarns", beginnt der Bericht, ״daher ein gutes Einvernehmen zwischen Christen und Juden". Der Satz ist nicht zu bestreiten, jedoch darf unter ״Bildung" hier nicht ״wissenschaftliche", sondern ״sittliche" verstanden werden. Von wissenschaftlicher Bildung kann hier so wenig die Rede sein, als ich hier keine fünf Personen kenne, die es bis zur Korrektheit eines kaufmännischen Briefes gebracht hätten. Auch ist es meines Erachtens gar nicht der niedrige Bildungsgrad der Juden, der irgendwo das soziale Verhältniß zwischen Juden und Christen stört, indem uns gerade in dieser Beziehung der Vorwurf des Zurückbleibens am wenigsten trifft. Wo Judenhaß vorkommt, da kommt er von sträflicher Intoleranz auf der einen oder andem Seite her. Hier herrscht aber von beiden Seiten Toleranz, und die Juden sind hier überdies so gut sittlich gebildet, daß sie in ihren Handlungen gar keine Blöße geben. Ein großer Theil derselben beschäftigt sich mit Ackerbau und verschiedenen Handwerken, und auch die Handeltreibenden zeichne» sich durch Fleiß und Redlichkeit, bei Vermeidung des Wuchers, rühmlich aus. Auch sind die Juden unter einander hier im höchsten Grade tolerant, so daß es trotz der verschiedenen Religionsanschauung der Einzelnen keine einander feindlich gegenüberstehende Parteien giebt, vielmehr leben Chassidim, Attkonservative und sogenannte Aufgeklärte im besten Einvernehmen und begegnen einander mit aller Achtung und Freundschaft. Was also Referent über ״Ritter des Dunkels", ״Anführer der frommen Schaar" sagt, ist vollkommen irrig, denn in Wahrheit giebt es gar keine ״Parteien", ergo keine Parteiführer. Was den Satz betrifft, ״der Anführer der frommen Schaar ist ein Jünger der Wissenschaft, der derselben untreu wurde", so wird derselbe hier allgemein auf meine Person bezogen. Ich meinerseits weise dem ״Unbekannten" den Honig wie den Stich entschieden zurück. Man weiß hier allgemein, daß ich jahrelang an der Spitze der Gemeinde ״nicht ohne Verdienst" gewirkt, nie aber ״verderblichen Einfluß im Einzelnen" geübt habe. Anlangend unseren würdigen Rabbiner aber, kann ich Sie versichern, daß