Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 329 — mau muß fiattuen über die geringe Anzahl der Anwesenden. Wo ist die . sögenannte orthodoxe Partei, auf die man so oft und so häufig Rücksicht nimmt? Es bestätigt dieses wiederholentlich die Erfahrung, daß man hier mit Worten spielt, und diejenigen, die sich pur excellence als Orthodoxe geben, find es am wenigsten. Doch es ist nicht meine Absicht, über Parteiungen zu schreiben. Ich drücke nur wiederholentlich mein Bedauern aus . daß die jüdischen Institute so wenig Theituahme beim Publikum finden. Hervorheben muß ich dabei noch die Eigenthümlichkeit, daß die Mädcheninstitnte mehr besucht sind als die Knabeniustitute. Ich habe bisher nichts über literarische Erscheinungen gesprochen. Jedoch ist dieses nicht meine . Schuld. Der Büchermarkt für jüdische Erzeugnisse bietet hier für den Berichterstatter, eine sehr geringe Ausbeute. Arg genug, daß es so ist. In früherer Zeit, wo Christen jüdische Buchdruckereien besaßen, geschah mehr für die jüdische Literatur als jezt, wo wir hier jüdische Buchhändler haben. Hier gelten , nach wie vor nur die O"O"N NOO, und auch in dieser Beziehung muß ich eine christliche Buchhandlung hervorheben,die von Zamarsky, welche jezt ein Chumesch mit Kommentaren in sehr schöner Ausstattung herausgiebt. Die Staatsdruckerei druckt jezt ein Chumesch, und wir sprechen den Wunsch aus, es möge die Schuljugend dabei berücksichtigt werden. Die Absicht des mannigfach thätigen PHLlipson, bezüglich der Ausgabe einer Bibel mit Uebersetzung, ist gewiß freudig zu begrüßen, und ist es wahrscheinlich den Zeit- Verhältnissen zuzuschreiben, wenn die Beiträge nicht reichlicher stießen. Wir zweifeln jedoch nicht an dem Zustandekommen dieses Projektes. Was wir aber wünschen, ist, daß die Uebersetzung eine fließende sei. Die Bibel ist schlicht und einfach, und soll auch so in der Uebersetzung sein. Leider ist die Zunz'sche Bibel gar oft hart in der Konstruktion, und die Salomon'sche Bibel gebraucht gar häufig Ausdrücke, die nicht für die Jugend anwendbar find. Die Schöpfung des Institutes für jüdische Literatur kann aber nicht genug lobend anerkannt werden. Bedenkt man, welche Muhe es sonst kostete, ein . jüdisches Merkchen in fünfhundert Eremplaren abzusetzen, so wird man dem Manne nicht die Anerkennung versagen, der 4000 Abonnenten dem Institute erworben, hat. ׳ Aus der Zala. (Schluß.) In Keßthely besteht seit zehn Jahren eine dreiklassige Knaben- und Mädchenschule, deren Erhaltung und Fortbestand bei den kärglichen Mitteln, welche der Gemeinde als solchen zu Gebote stehen, ihren Vorstehern nur zum höchsten Lobe gereichen kann. Das schörre und geräumige Schullokal verdankt seine Entstehung der Opferwilligkeit der ganzen Gemeinde. Sonderbar ist es, daß diese Gemeinde, welche vor Jahren schon Konkurse wegen Besetzung ihres Rabbinates ausgeschrieben, noch immer keine passende Persönlichkeit für dasselbe finden konnte! Oder sollte wirklich in dem weiten österr. Kaiserstaate keiner unserer verdienstvollen und strebsamen Rabbineu den .Wünschen und Anforderungen der Keßthelyer zu genügen im Stande sein? Kann denn die Wahl so schwer werden, wo das Bedürsniß so groß ist?