Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 310 — R. Jsak b. Pinhas. Jener lehrte: ״Wenn man den still dahinfließenden Enfrath fragt: warum lassest du nicht deine Stimme hören? antwortet er: die Fruchtbarkeit an meinen Ufern giebt hinreichende Kunde vonmir! Fragt man den ungestümen Tigris, warum machst du so viel Geräusch? antwortet er: O, hätte ich solches nicht vonnöthen, und gäbe lieber die von mir bespülte Gegend Zeugniß von meiner Wirksamkeit 31)! — Auf gleiche Weise rechtfertigen Obstbäume ihre Stille, indem sie ans ihre Frucht hinweisen; Waldbäume wissen sich durch nichts anzukündigen, als durch ihr Geräusch 32)!״ R. Jsak erfreute sich einst der Gastfreundschaft des R. Nachman b. Jakob, Schulhauptes zu Nehardea. Vor dem Abschiede erbat sich Lezterer den Segen des scheidenden Freundes, worauf R. Jsak sprach: ״Ein Wanderer in der Wüste fiel einst ermattet nieder, gequält von Hunger und Durst und von der Sonne glühendem Brande. Und siehe, Plötzlich entdeckt er an frischer Wasserquelle einen schattigen Baum, mit herrlicher Frucht beladen. Hier ruht der erschöpfte Pilger aus und erquicket die brennenden Glieder. Als er nun, erholt und gestärkt, seine Reise fortsetzen wollte, rief er . aus: Baum, was soll ich segnend dir wünschen? Labend ist deine Frucht, duftig dein Schatten, und zu deinen Füßen rieselt die Quelle silberhell! Eines nur wünsche ich dir: Jeder Sprößläng dir entnommen, mög' in Allem gleich dir kommen! — Also rufe ich, Nachman, auch dir zu. Die Wissenschaft der Thora, irdischer Reichthum und Familiensegen sind dir zu Theil geworden. Was soll ich segnend dir wünschen? Möge Gott den Himmelsfegen anch auf deine Kinder legen 33)!" Die jüngste midraschische Anwendung von der Aehnlichkeit des Menschen mit dem Baume machte R. Tobia aus Worms im 11. Jahrhundert. An die Schriftworte: ״Es träufle wie Regen meine Lehre", knüpft er die Bemerkung: ״Der Regen befruchtet die Bäume nach ihrer Natur und Beschaffenheit; so befruchtet anch die Thora den Geist ihrer Freunde: dem Einen verleiht sie “') Vergl. Ritter's Erdk. XI, 219. 1014. M) Bereich, r. 10. 33) Taan. 5, 6 ff. R. Nachm, war als Gelehrter berühmt und stand als Schwiegersohn des Erilarchen R'Abba in hohem Ansehen.