Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543102--0917-2544607- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
— 296 — der Lebenszeit immer lebhafter empfunden. Es ist dies leicht erklärlich. Dem Wanderer, der einen Weg zum ersten Male geht, scheint derselbe viel länger, als nachdem er ihn schon oft zurückgelegt hat. Ferner wird die Länge der Stunden und Tage desto weniger bemerkt, je gleichförmiger die geordnete Thätigkeit wird, mit welcher mau dieselben auszufüllen gewohnt ist. Was ist aber gleichförmiger als der Beruf, in den das männliche Alter tritt? Endlich werden die Jahre bei zunehmendem Alter nach einem größern Verhältnisse betrachtet. Wenn ein zweijähriges Kind nur zwei Jahre bedarf, um noch einmal so alt zu werden, hat das vierjährige Kind schon vier Jahre dazu nöthig. Solchergestalt muß die Dauer der Jahre immer kürzer erscheinen. Daher die Klage des reifem Alters über die schnelle Flucht der Lebenszeit. Als Ausdruck individueller Stimmung reicht diese Klage wol in's graueste Alterthum zurück. Als allgemeine Betrachtung ist sie die Frucht reiferer Reflerion. Aber schon Homer nennt den Menschen ßgozog, den Hinfälligen, Sterblichen. Kennt der biblische Hebraism eine ähnliche Bezeichnung? — . Auf dem Standpunkte der herkömmlichen Schriftauslegung wird man geneigt sein, an Enosch (אנוש) zu denken, welches hänfig als ״kraftlos, schwach, hinfällig" aufgefaßt wurdet. Die Grundlosigkeit dieser Auffassung ist aber allgemein anerkannt. Manche neuern Forscher, wie Fürst und Dietrich, denken an die Wurzel אש, so daß die Bezeichnung אנוש nicht in dem Begriffe der Schwäche, sondern umgekehrt in dem der Stärke ihren Grund nnd Boden hat! Eben so wenig drückt das nur im Plural gebräuchliche מת מתים), Männer) den Begriff der Sterblichkeit aus. Denn selbst wenn dasselbe nicht als primitives Wort mit dem lateinischen mn8 zufammenhängt, sondern als Verbalnomen von מתת — מתת, dehneu, abstammt, nnd daher einen Erwachsenen bezeichnet, ist es, trotz dieser Begegnung mit מות ----- sterben in dem Begriffe des Gedehnt- oder Gestrecktseins, noch immer weit entfernt, auf des Menschen Sterblichkeit anznspielen. *) So schon Aben Esra Ps. S, 21.