Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 7 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543102--0915-2544605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 294 — I. Lebensbetrachtung der biblischen Zeit *). 1. Benennung des Lebens. Um das Leben zu benennen', bedient sich der Hebräer der Pluralform: היים. Eine Singularbezeichnung giebt es im Hebräischeu für den Lebensbegriff nichts. Wie ist diese merkwürdige Spracherscheinung zu erklären? — An diese Frage wurde ziemlich spät gedacht, und die Antwort, die sehr nahe liegt, suchte man in der Ferne, weil die Gewohnheit, die jeweiligen Schulmeinungen oder Zeitansichten in die Schrift hineinzutragen, der richtigen Erkenntniß hinderlich war. So meint Abravanel und ihm folgend Josef Abendana, das Leben der menschlichen Seele werde deshalb mit der Mehrzahl bezeichnet (נשמת היים), weil dieselbe vegetatives, animalisches und intellektuelles Leben in sich vereinige (1 B. M. 2, 7>: eine im Wesentlichen aristotelische Distinktion verschiedener Lebensthätigkeiten, welche der Bibel gänzlich fremd ist. Minder fremdartig könnte Reggio'ö Erklärungsversuch scheineu, nach welchem das doppelte Seelenleben, das zeitliche und das ewige, in dem fraglichen Plurale eine adäquate Bezeichnung sinden soll 3). In Wahrheit ist jedoch die gesuchte Auskunft weder aus der Psychologie, noch ans der Dogmatik, sondern lediglich aus der Grammatik zu holen. Gerade in der ältesten Epoche der hebräischen Sprachbildung wurde nämlich der Plural, besonders der männliche, gebraucht, um das zerstreute Einzelne in einen hö- Hern Begriff zusammen zu fassen, also um die Bedeutung eines aus vielen Einzelheiten abgezogenen Begriffs, d. i. ein Abstraktum, zu bilden, wie עלומים ,נעורים, Jugend, זקונים, Alter 0). So 0 Nachbiblisches kommt hier nur so fern in Betracht, als es sich mehr oder minder eng an das Bibelwort anschließt. .2) Die Form הילת, die bei den Eregeten und Philosophen des Mittelalters oft vorkommt, ist häufig schon 2 Sam. 7, 3 gefunden worden. Gewiß mit Unrecht. Ist ja die Form sogar dem mischnischen Sprachgebrauche fremd! Erst in der Gemara kömmt dieselbe zuweilen vor: Pes. 89, a. Ioma 85, a. Chulin 19, a. י׳) Thora min Ha-Schamaim (Wien, 1818) 18, b. 4) Ewald ausf. Lehrb. der hebr. Sprache §. 179. Vgl. Wolf Maier Thorath §. 66. Gegen die daselbst ausgestellte Theorie sprechen Plurale, wie ♦דיורים אהבים