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Ben Chananja · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. Seite 283

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 283 (sequence 43)
Language
German
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— 283 — Wien, 16. Mai 1850. Wenn des Krieges Stürme brausen, verlieren viele Dinge die Bedeutung, die sie sonst haben würden. Unrecht wäre es jedoch, wenn diejenigen Arme und Köpfe, die nicht dazu berufen sind, für das Heil des Staates zu kämpfen, feiern würden. Wir. leben in einer Zeit, ״wo die Erde wankt, wie ein Betrunkener". In solcher Zeit ist es um so mehr Pflicht, festzuhalten an den alten ewigen Grundpfeilern der Welt, welche sind: Glaube, Wissenschaft und Mitdthätigkeit. Wir sind daher der Ansicht, daß der Ben-Chananja jezt seinen Lesern um so willkommener sein wird. Die Leser werden auf Momente dem allgemeinen Wirrsale entzogen, und die Frische und Lebendigkeit der Artikel bringt Labsal und Erholung. Dem Korrespondenten jedoch, der ein Spiegelbild der Zeit geben soll, muß es zu Gute gehalten werden, wenn er vom Kriegsgetümmel, welches die Lüste erfüllt, spricht. Es ist wol unnöthig, zu bemerken, daß die Juden von dem gehobenen patriotischen Gefühle, welches Oesterreich's Gauen erfüllt, mit gehoben und getragen werden. Wenn der Beweis geliefert werden sollte, daß die Juden gute Staatsbürger sind, und er nicht schon mannigfach von der Geschichte geführt worden wäre, die jetzige Zeit würde ihn auf's Glänzendste bewähren. Hier in Wien stehen Juden mit an der Spitze des Hülf-Vereins für die Kriegsdauer, und unter den Freiwilligen giebt es so manche, die von Jnda's Stamm entsprossensind. Daß Juden nicht bei den Spenden fehlen, ist wol unnöthig zu bemerken. Wann haben Juden sich ausgeschlossen, wenn es galt, zu geben und zu sperrden? Wenn manche Ereeffe von Seite der Freiwilligen gegen Juden vorgefallen sind, so ist den Wienern dabei keine Schuld zuzumessen. Wie sehr auch von mancher Seite über die Gemütlichkeit der Wiener gespottet werden mag, der Wiener ist gemüthlich. Zum Theile auch mögen diese Ercesse, wie die ״Presse" bemerkt, durch die-Drachensaat, die von mancher Seite gestreut wurde, hervorgerufen worden sein. Daß jetzt nicht von neuen Schöpfungen Ln der Gemeinde die Rede sein kann, versteht sich von selbst. Die Frage wegen Errichtung einer Thalmud- Thora, oder im höher» Style eines Beth hamidrasch, schlummert jezt. Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit eine andere Frage erörtern. Die h. Statt- Halterei hat Herrn Redlich die Konzession zur Eröffnung einer Hauptschule gegeben. Die bereits bestehenden Institute, die nicht auf Rosen gebettet sind, haben einen Konkurrenten mehr. Was aber sehr bedauert werden muß, ist, daß die jüdischen Erziehungs-Institute so wenig Unterstützung beim Publikum sinden. Es zeigt sich da ein sonderbarer Widerspruch: Einerseits hört man von Eltern die Klage, daß dem religiösen Unterrichte nicht mehr Zeit und Sorgfalt gewidmet wird. Andererseits wieder geben die Eltern ihre Kinder nicht in jüdische Institute, wo dem religiösen Momente und dem hebräischen Sprachunterrichte mehr Rechnung getragen werden könnte. Es ist mir wol nicht unbekannt, daß manche Institute .an Uebeln kranken; die Vortheile, die sie bieten, sind aber auch nicht zu verkennen. Dieser Geist des Widerspruches zeigt sich auch bei der Neligionsschule. Diese, glaubt man, verlangt zu viel, dem ander»

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