Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 284 — stolograf über den Beruf des Rkbbiners und über die Beschaffenheit der Predigt so treffend und meisterhaft sagte, mußte uns für ihn einnehmen, und uns mit Sehnsucht den Augenblick erwarten lassen, wo es uns gestattet sein würde, ihn zu sehen und zu hören. Mit einem Worte: wir schwärmten für Di*. Meisel! Aus diesem Grunde wurden wir auch von Schmiedl's Vorträgen nicht bestochen. Die Zuschriften M/s hatten nun einmal diesen zu unserm Ideale gemacht., so daß Ihr .. it.. Korrespondent uns aus der Seele sprach, indem er darauf hiuwies, daß das Gute dem Bessern weichen müsse. Das Prädikat ״besser", dachten wir, wird unserm M. beigelegt werden. Nun haben wir auch Di׳. M. gehört. Er hat das Buch seiner Gedanken vor uns aufgeschlagen, und uns erlaubt, darin zu lesen. Er stand wirklich in dem Glorienscheine unserer Schwärmerei vor unseren Augen', und — wir fanden uns bitter getäuscht! Wir siud aus dem Himmel unserer Begeisterung gestürzt, wir sind vernichtet worden! Zwar sind wir noch immer gerne bereit, die schätzenswerthen Eigenschaften des Hru. Di׳. M. anzuerkennen. Wir zollen noch heute seiner poetischen, schwungvollen, ja stellenweise klassischen Sprache und Diktion unsere volle Bewunderung. In rhetorischer Beziehung hat uns auch sein Probevortrag nicht unbefriedigt gelassen. Und dennoch, sehen wir unsere Erwartungen getäuscht! Theorie und Praris scheinen bei Hrn. Di׳. M. durch eine weite Kluft von einander getrennt zu sein. Das Bild, das er selbst in einer seiner Zuschriften von einer Predigt entwarf, war ungefähr folgendes: ״Gleichwie der Regen die dürstende Erde erfrischt, das Wachsthum befördert, die gelockerten Wurzeln befestigt und tiefer eindringen macht, den Pflanzen neues Leben einhaucht, und die von den breuuenden Sonnenstralenniedergebeugten Blumen wieder aufrichtet; eben so soll die Predigt den Geist erfrischen, den schwankenden Glauben befestigen, und stärken, zum Guten anspornen, die erlahmte Willenskraft stärken, und das von den Schicksalsschlägen niedergebeugte Gemüth aufrichten und erheben". Wie weit ist aber der Proberedner hinter diesem seinem eigenen Bilde zurückgeblieben! In seiner Predigt wohnte jene norddeutsche Kälte, die den Zuhörer frösteln macht. Seine Worte ließen kalt. Sind sie etwa nicht aus dem Herzen gekomnien? Hr. Di׳. Meisel stürmte den Himniel, und vergaß die armen Erdensöhne, die seinen Worten lauschten! Die anfmerksamen unter den Leztern vergaßen aber nicht, daß der Redner die Behandlung eines Thema's — das Streben nach Aehnlichkeit mit dem heiligen Gotte — ankündigte, ohne dasselbe zu erschöpfen, ja ohne der Behandlung auch nur treu zu bleiben! Von der homiletischen Kunst, den gewählten Gegenstand tertgemäß zu behandeln, war in der Predigt wirklich nicht die geringste Spur vorhanden. Der Tert blieb bei Seite liegen, und die Predigt war eine Mosaikarbeit ohne organischen Zusammeühang. Mit der Folgerichtigkeit der Gedanken scheint es überhaupt unser künftiger Rabbiner nicht genau zu nehmen. Dies geht schon daraus hervor, daß er keinen Anstand nahm, ״das sternenbesäete Himmelszelt, den mit tausend und tausend Farben bunt bemalten Erdteppich, und die vom Sturme