Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. Seite 280

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 280 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543101--0900-2544589
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2.80 — außerordentliche Gegenstände behandeln, und denselben mit Zeichnen und Frauzösisch auf gleiche Linie stellen. (Schluß folgt.) Pest, im Mai. ״Ich liebe die Tugend und die Wahrheit; ich Haffe das Laster und die Heuchelei. Gerade und offen ist mein Sinn; Schmeichelei und Wohldienerei sind mir verhaßt". Dies ist beiläufig das Glaubensbekenntniß, welches Hr. Dr. Meisel in seiner am 30. April gehaltenen Probepredigt vor einer zahlreichen Zuhörerschaft abgelegt hat. Ein Bekenntniß, das ohne Zweifel alles Lob verdient. ״Ich weiß", sagte Dr. M. unter Anderm ferner, ״daß Kultur und Intelligenz hier zu Lande noch nicht so weit vorgeschritten sind, als in Deutschland *). Ich hege aber die Hoffnung, daß die von mir ausgestrente Saat Wurzel fassen, und zur Blüte und Frucht heranreifen werde". Hr. Dr. M. wird sich in dieser Hoffnung sicherlich nicht getäuscht finden.׳. Schon unser heutiger Bericht wird ihm hoffentlich den Beweis liefern, daß er nicht tauben Ohren gepredigt hat. Gerade und offen, wie es Hr. Dr. M. liebt, wollen wir unsere unmaßgebliche Meinung über die Wahl desselben in diesen geschäzten Blättern niederlegen. Wir halten uns dazu berechtiget. Denn mit Lebhaftem Interesse haben wir unsere Rabbinersrage verfolgt. Wir haben alte Parteien und deren Wünsche gehört und unparteiisch erwogen. Wir haben von allen einschlägigen Spezialitäten Notiz genommen, bis die Nabbinerfrage, über welche so viel debattirt und korrespondirt, gelesen und geschrieben wurde, in Folge der am 30. v. M. gehaltenen Proberedeu endlich gelöst, — oder sagen wir lieber: wie einst der Gordische Knoten durch hauen wurde. Dies ist nun allerdings vollendete Thatsache. Nichtsdestoweniger scheint es uns im Hinblicke auf den künftigen Frieden unserer Gemeinde von nicht geringem Belange, das Zustandekommen dieser Thatsache näher zu beleuchten. Zuvörderst bemerken wir, daß wir Gelegenheit hatten, die von Dr. M. an den hiesigen K.-Gem.-Vorstand gerichteten Briefe zu lesen. Auch bekennen wir, daß wir davon entzückt, ja begeistert waren. Altes, was der verehrte Epi- *) Für diese liebenswürdige Aeußerung deutscher Urbanität bleiben wir dem Hrn. Dr. sehr verbunden. Uns will jedoch das religiöse Gemeindeleben der deutschen Juden nicht eben mustergültig erscheinen. Folgende Namen reichen hin, um an die daselbst herrschende Einigkeit zu erinnern/Berlitt: Oettinger, Sachs, Holdheim; Breslau: Tiktin, Frankel, Geiger; Frankfurt a. M.: Hirsch, Stein, Stern. Wir zollen natürlich jedem der hier genannten Herren die ihm gebührende Achtung und Verehrung. Dies hebt aber die Zerwürfnisse und Streitigkeiten nicht auf, an welche ihre Namen erinnern. Könnte Hr. Dr. M. eine jüd. Gemeinde in Deutschland nennen, welche an Seelenzahl der Pester gleichkäme, und Einen Rabbiner an der Spitze hätte? — Auf der Kanzel zu Pest scheint uns das den deutschen Juden gemachte Kompliment eben nicht am rechten Orte zu sein.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.