Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 279 — Gemeindeleben verdrängt. In allen Gemeinden dieses Komitates hat der Gottesdienst eine würdigere Form angenommen; lärmende Unterhaltung in den Synagogen hat einer andachtsvollen Stille Platz gemacht. Nirgends herzzerreißende Triller, nirgends profane Gesangsweisen; dort, wo der Umstände halber noch kein Choral-Gesang eingeführt ist, wird der Gottesdienst in sonstiger angemessener Weise begangen. Merkwürdig ist der auffallende Umschwung in den gottesdienstlichen Vorträgen; man zieht überall die Predigt, als eine einfache Geistes- und Gemüths-Nahrung, den frühern komplizirten Kraftproduktionen vor, und selbst ältere Nabbinen sind emsig bestrebt, dieser Geschmacksrichtung zu entsprechen. Was aber wahrhaft herzerhebend für Jeden ist, der den trostlosen Zustand der Jugend in den meisten Gemeinden dieses Komitates vor wenig Jahren noch kannte, ist die Thatsache, daß nun keine Gemeinde ohne mehr oder weniger gut orgänisirte Kinderschnle sich befindet. Man muß aber mit der Mittellosigkeit einiger dieser Gemeinden vertraut sein, um einzusehen, daß die Größe der dargebrachten Opfer der Größe und Erhabenheit des Zweckes gleichkomme. Was die einzelnen Gemeinden betrifft, wird es kaum nothwendig zu bemerken sein, daß die Kultusgemeinde Gr. - Kanischa ihren vor Decennien schon eingenommenen Rang, als Muster-Gemeinde noch immer behauptet. Und ist diese Gemeinde als Körperschaft, was ihre Gemeinde-, Synagogen- und Schul-Einrichtung betrifft, eine ausgezeichnete zu nennen, so ist der Geist der Milde und echten jüdischen Wohlthätigkeit, der ihre einzelnen Mitglieder beseelt, wenn nicht ein ausschließliches, doch ein vorzügliches Attribut dieser Gemeinde. Eins jedoch kann ich nicht ungerügt lassen, und das ist die stiefmütterliche Be- Handlung der hebräischen Sprache in ihrer sonst vortrefflichen Vierklaffen-Schule. Jndeß den Kaufmannswissenschasten auf's Gewissenhafteste Rechnung getragen wird, ist der hebräische Grammatikal- und Bibel-Unterricht fast auf ein Minimum reduzirt. Man sollte doch billig bedenken, daß für uns Juden die hebräische Sprache keine todte Sprache ist und sein darf. Das heilige und lebendige Wort Gottes ist es, welches täglich den mit unfern Vorfahren geschloffenen Bund mit uns erneuert; in dieser Sprache schütten wir Unser Gemüth in andachtsvoller Ergießung vor Gott aus. Diese Sprache endlich spricht unaufhörlich von unserer göttlichen Mission, das Licht des reinen Gottesglaubens über den weiten Erdball zu verbreiten. Und diese Sprache sollte für uns eine todte, eine fremde sein? Ja Lodt ist sie für diejenigen, die sie durch Vernachlässigung, durch Hintansetzung todt zu machen suchen; die ihr Bischen Judenthum sich leichten Kaufes aus deutschen Kompendien holen, und die da vergessen zu haben scheinen, daß ein Religionsbuch, wenn es auch noch so zweckmäßig und gehaltvoll wie das Faffel'sche ist, noch immer ein schwaches und unzulängliches Surrogat für den gründlichen Unterricht in den כד" ספלי קודש ist, ans deren lebendigen Quellen unsere Alten, unsere glaubensstarken Vorfahren geschöpft haben. Diese wolgemeinte Rüge trifft übrigens viele Kultnsgemeinden in noch höherem Grade, welche in ihren Schulen den hebr. Sprach- und Bibel-Unterricht als