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Ben Chananja · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. Seite 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 278 (sequence 38)
Language
German
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278 — Pest, im April. Haben Sie schon von der hiesigen Missionsschule gehört? Es ist dies eine Schule, deren Räume mit israelitischen Kindern überfüllt sind, obschon alte Schüler christliche Religion lernen müssen und protestantisch erzogen werden. Kann aber eine solche Schule, deren Tendenz mit den Sitten und Gebräuchen, welche das Kind zu Hanse beobachtet, im grellsten Widerspruche steht, segensreich für die Zukunft des Kindes wirken? Muß nicht der aufkeimende Geist des Kindes durch den verwerflichen Widerspruch zwischen Schule und Haus verderben? Welchen Sinn für. Religion und Sittlichkeit können solche Geschöpfe bei einer derartigen verkehrten Erziehung noch haben? Was sind sie bei ihrem Austritte aus der Schule Anderes, als prinziplose Menschen, die weder Juden noch Christen, sondern nur ein Stein des Anstoßes beider find! Bedenken wir ferner, daß diese Kinder zumeist armen Aeltern angehören, so müssen wir die Größe der Seelenleiden, welchen diese ausgesezt sind, tief beklagen, Die Muster- und Normal-Hauptschule nehmen zwar arme Knaben gratis auf, aber die Zahl dieser Begünstigten ist verhält» iß mäßig gering. Was sollen nun die Aeltern der übrigen armen Knaben thun, falls sie in der Hauptstadt ihre Kinder nicht geistig verwahrlosen lassen wollen? Und wenn ihnen auch ihre väterliche Religion sehr theuer ist, und ihr Gewissen sich Anfangs noch so sehr sträubt, die Kinder in die Missionsschule zu schicken; so siegt doch zulezt die Furcht, ungezogene, rohe und unwissende Kinder zu haben, über die sonstigen Bedenklichkeiten, und der nach Unterricht lechzende Arme erfaßt endlich, obgleich mit Widerstreben, die dargebotene Lockspeise der englischen Missionäre. Muß nicht jeder Israelit, dessen Herz noch warm für's Judenthum schlägt, höchst betrübt sein, wenn er bedenkt, daß über 400 jüdische Kinder die Missionsschule, wo sie zur protestantischen Kirche erzogen werden, besuchen? Wahrlich, derselbe kann keinen sehnlicheren Wunsch haben, als daß diese Schmach recht bald von. Israel genommen werden möge*). Antins Spiegler. Aus dev Zala. Im Allgemeinen haben die jüdischen Verhältnisse in diesem Komitate seit den lezten Jahren eine sehr erfreuliche Gestaltung angenommen. Die Gemeinden haben ihren hundertjährigen Schlaf ausgeschlafen und sind nun zu neuem Leben, zu reger, lebendiger Thätigkeit erwacht; überall werden verjährte Mißbräuche durch neue, zweckmäßige Einrichtungen im *) Wir konnten die Mittheilung unseres Korresp. nur auszugsweise geben. Dasselbe mußten wir in den früheren Heften auch in Betreff anderer Pester Korrespondenzartikel thun. Die zurückgelegten Mitteilungen haben das seit acht Jahren gesammelte Material zu einer Geschichte der Pester israel. Kultus gemeinde, deren Herausgabe in unserer. Absicht liegt, bereichert. Sehr dankbar würden wir in dieser Rücksicht authentische Nachrichten über das Rabbinat des R. Wolf Boskowitz, so wie über die in der Vor-Ullmann'schen Zeit entgegennehmen, da Alles, was wir bisher hierüber erfuhren, sehr unklar und nicht frei von Widersprüchen ist. jled..

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