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Ben Chananja · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. Seite 274

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 274 (sequence 34)
Language
German
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274 — gelehrt, ist ein unversieglicher Born, aus welchem alle Geschlechter der Erde schöpfen werden. Er stand auf der Höhe aller Jahrhunderte. Sein Name ist! mit ehernem Griffel in die Jahrbücher der Menschheit eingeschrieben. Er gehört zu den ״Denkern, welche glänzen, wie der Glanz des Himmels und wie die Sterne immer und ewig (Dan. 12, 3)". Wenn wir ihm gleichwol auch in diesen , für einen beschränkten Leser- ן . kreis bestimmten Blättern ein bescheidenes Denkmal zu setzen versuchen, so th.un! wir dies, um in dankbarer Verehrung eines Zuges in seinem Charakter zu erwähnen, welchen allgemeine Schilderungen wol schwerlich berühren werden.! Alexander von Humboldt war ein entschiedener und ausgesprochener j Freund der Emanzipation der Juden. Der große Geist ließ sich auch hierin \ von kleinen Geistern nicht irre machen. Wie sein Bruder Wilhelm, wurde er unter dem Einsiuffe Moses Mendelssohns erzogen, und verkehrte, wie dieser,; in seiner Jugend viel mit der jüdischen Intelligenz in Berlin. Was der Biograf des Erstern von seinem Helden sagt, gilt auch von Alexander: ״Von Indenhaß oder ähnlichen Albernheiten konnte bei einem so freien Geiste nicht die Rede sein')". Den Wortführern des Judenhasses in unseren Tagen ist allerdings Alexander v. Humboldt keine Autorität; brechen sie ja auch über ihn und über seine Forschungen in bornirtem Fanatismus den Stab! Aber der hoffende Israelit hält sich trotz alter. Ausbrüche des Haffes an j die trostreiche Verheißung einer Zukunst, wo sich, wie im großen Weltall, so j auch in der Welt der Menschen Friede und Harmonie knndthun und offenbaren werden, ״weil voll geworden ist die Erde der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser die Meerestiefe bedecken (Jesaj. 11, 9)".! Alexander v. Humboldt hatte, wie für alles Schöne und Große, so auch; für Jsrael's Schriftthum, und zwar nicht nur für das biblische, sondern auch für das nachbiblische einen offenen, empfänglichen Sinn. In Beziehung auf 1 jenes sagt er: Z ״Es ist ein charakteristisches Kennzeichen der Naturpoesie der Hebräer, 3־ daß, als Reflex des Monotheismus, sie stets das Ganze des Welltalls in seiner ״|j Einheit umfaßt, sowol das Erdenleben als die leuchtenden Himmelsräume Sie D weilt seltener bei dem Einzelnen der Erscheinung, sondern erfreut sich der An- W schanung großer Massen. Die Natur wird nicht geschildert als ein für sich Be- U stehendes, durch eigene Schönheit Verherrlichtes; dem hebräischen Sänger er- 1 scheint sie immer in Beziehung auf eine höher waltende geistige Macht. Die Natur ist ihm ein Geschaffenes, An ge ordnet es, der lebendige Ausdruck der Allgegenwart Gottes in den Werken der Sinnenwelt. Deshalb ist die lyrische Dichtung der Hebräer schon ihrem Inhalte nach großartig und von feierlichem Ernst, sie ist trübe und sehnsuchtsvoll, wenn sie die irdischen Zustände der Menschheit berührt. Bemerkenswerth ist auch noch, daß diese Poesie trotz ') Schlesier, Erinnerungen I, 25.

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