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Ben Chananja · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. Seite 275

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 275 (sequence 35)
Language
German
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275 — ihrer Größe, selbst im Schwünge der höchsten, durch den Zauber der Mnstk hervorgernfenen Begeisterung fast nie maßlos wie die indische Dichtung wird. Der reinen Anschauung des Göttlichen hingegeben, sinnbildlich in der Sprache, aber klar und einfach in dem Gedanken, gefällt sie sich in Gleichnissen, die fast rhythmisch, immer dieselben wiederkehren. Als Naturbeschreibungen sind die Schriften des alten Bundes eine treue Abspiegelung der Beschaffenheit des Landes, in welchem das Volk sich bewegte, der Abwechslung von Oede, Fruchtbarkeit und libanotischer Waldbedeckung, die der Boden von Palästina darbietet. Sie schildern die Verhältnisse des Klirna's in geregelter Zeitfolge, die Sitten der Hirtenvölker und deren angestammte Ab- Neigung gegen den Feldbau. Die epischen oder historischen Darstellungen sind von naiver Einfachheit, säst noch schmuckloser als Herodot, naturwahr, wie, bei - so geringer Umwandlung der Sitten und alter Verhältnisse des Nomadenlebens, die neueren Reisenden einstimmig es bezeugen. Geschmückter aber und ein reiches Naturleben entfaltend, ist die Lyrik der Hebräer. Man möchte sagen, daß in dem einzigen 104. Psalm das Bild des ganzen Kosmos dargelegt ist. Man erstaunt, in einer lyrischen Dichtung von so geringem Umfange, mit wenigen großen Zügen, das Universum, Himmel und Erde geschildert zn sehen. Dem bewegten Elementarleben, der Natur ist hier des Menschen stilles, mühevolles Treiben vom Aufgang der Sonne bis zum Schluß des Tagewerks am Abend eutgegengestetlt. Dieser Kontrast, diese Allgemeinheit der Auffassung in der Wechselwirkung der Erscheinungen, dieser Rückblick auf die allgegenwärtige unsichtbare Macht, welche ״die Erde verjüngen" oder in Staub zertrümmern kann, begründen das Feierliche einer minder lebenswarmen und gemüthlichen als erhaben poetischen Dichtung. Aehnliche Ansichten des Kosmos kehren mehrmals wieder (Psalm 65, 7—14 und 74, 15—17), am vollendetsten vielleicht in dem 37. Kapitel des alten, wenn auch nicht vormosaischen Buches Hiob. Die meteorologischen Prozeffe, welche in der Wolkendecke Vorgehen, die Formbildung und Auflösung der Dünste bei verschiedener Windrichtung, ihr Farbenspiel, die Erzeugung des Hagels und des rollenden Donners werden mit individueller Anschaulichkeit beschrieben; auch viele Fragen vorgelegt, die unsre heutige Physik in Wissenschaftlicheren Ausdrücken zu formuliren, aber nicht befriedigend zu lösen vermag. Das Buch Hiob wird allgemein für die vollendetste Dichtung gehalten, welche die hebräische Poesie hervorgebracht hat. Es ist so malerisch in der Darstellung einzelner Erscheinungen als kunstreich in der Anlage der ganzen didaktischen Komposition. In alten modernen Sprachen, in welche das Buch Hiob übertragen worden ist, lassen seine Naturbilder des Orients einen tiefen Eindruck. ״Der Herr wandelt auf des Meeres Höhen, aus dem Rücken der vom Sturm aufgethürmten Wellen. — Die Morgenröthe ersaßt der Erde Säumen und gestallet mannigfach die Wolkenhülle, wie des Menschen Hand den bildsamen Thon". — Es werden die Sitten der Thiere geschildert, des Waldesels und der Rosse, des Büffels, des Nilpferds und der Krokodile, des Adlers und des 18*

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