Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 271 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 271 — durcheinander geworfen, dnrch's Religionsbuch wird ein gewisses System hineingebracht. Die Pflichtenlehre nach hergebrachter Manier getheitt in Pflichten gegen Gott und Pflichten gegen den Nebenmenschen sind hier am rechten Platze. Für diesen untergeordneten Zweck aber sind unsere bereits vorhandenen Neligionsbücher, namentlich das von Jolsohn ausreichend genug. Ein Anderes ist's am Obergymnasium. Wenn auch hier das Lesen der Profeten und Hagigrasen in der Ursprache, dann der Unterricht in der Literaturgeschichte, namentlich der thalmudischen Zeit, Hauptsache find; so hat doch das Religionsbuch den hohem Zweck, nicht Ordnung allein, sondern auch Wissenschaft in -den Unterricht zu bringen. Auf dieser Stufe ist der Schüler nicht bloßer Nachbeter, sondern schon Selbstdenker, und läßt sich's hier nicht Alles so apodiktisch hingeben. Welcher jüdische Lehrer will am Obergymnasium von Unsterblichkeit der Seele vortragen, ohne daran zu denken, daß der 18—17׳-jährige Jüngling ihn fragen wird, warum denn in der Thora nicht ausdrücklich von Lohn und Strafe in einer bessern Welt Etwas gesagt wird. Unsere jüdischen Gymnaflalschüler konversiren mit ihren christlichen Kollegen, und hören es oft, wie das Christenthum die Lehre von der Unsterblichkeit für sich vindizirt. Ich habe daher, so oft ich im Obergymnasium über Unsterblichkeit vortrug, immer Kosri I. §. 109, DI. §.20 zitirt, reife Schüler auch aus Maimonides Vorrede zum Abschnitt הלק gewiefett. In der Dogmenlehre habe ich wol Maimonides 13 erwähnt, doch gleich darauf meine Schüler mit Albos Einwendungen und seiner Eintheilung bekannt gemacht. In einem Neligionsbuche sür's Obergymnastum darf auch nicht ein eigener Abschnitt über Antropomorphismus und über die Bedeutung der alten Opfer u. s. w. fehlen. Ein solch wissenschaftliches Religionsbuch für's Obergymnasium thut uns noth; noch mehr aber ein Buch für den Lehrer selbst, das die verschiedenen Glaubenslehren erschöpfend behandelt mit Nachweis der Quellen, in welchem der Lehrer selbst sich Rathes erholen könnte. Zn dem Zwecke würde ich, wenn Sie Hr. Redakteur es erlauben, Vorschlägen, daß die Herren Gymnasiat-Neligionstehrer den Ben-Chananja zu ihrem Organe machen. Die Herren könnten ihre verschiedenen Arbeiten in diesem Fache hier einsenden, und Sie Hr. Redakteur würden je 2 Blatt Ihrer Zeitschrift allmonatlich zur Aufnahme dieser Arbeiten bestimmen. 'Es würde dieses dem Laien Neues, dem Eingeweihten Nützliches enthalten. Ihr Blatt wird von allen gebildeten Rabbineru gelesen, und so könnten auch diese ihr Urtheil abgebeu. Ein oder zwei Jahrgänge Ihrer Zeitschrift würden dann eine wahre Fundgrube von Matenalien für dieses Fach bieten, und Sie, Hr. Redakteur, hätten sich um die jüdischen Religionslehrer an Gymnasien ein wahres Verdienst erworben *). *) Wir sind mit vielem Vergnügen bereit, diese Blätter dem von unserm verehrten Mitarbeiter angeregten Gegenstände zu . öffnen. Mögen die Herren Rabbinen und Religionslehrer nicht zögern, an's Werk zu gehen, und spezielle Lehren der jüdischen Dogmatik und Moral einer eingehenden Bearbeitung unterziehen! Ued.