Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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270 — Stimmen über -en jüdischen Religionsunterricht. 1. Der Relrgionsnttterricht jüd. Gynrnasralschüler. Von vr. Gisler, Religionslehrer am k. k. Gymnasium zu Nikolsburg. Hr. Rabbinats-Affessor Wahrmann hat im Aprilhefte dieser Zeitschrift die Nothwendigkeit eines noch zu verfassenden Religionsbuches für die israel. Gymnasialschüler hervorgehoben. Leider laßt uns Hr. W. darüber in Ungewißheit, ob er ein und dasselbe Religionsbuch für alle oder nur für einige Klaffen des Gymnasiums für nothwendig erachtet. Ein oberflächliches Nachdenken über den Gegenstand zeigt schon, daß, da der Gymnasialunterricht volle 8 Jahre dauert, mit dem 10—12-jährigen Kinde beginnt und mit dem gereiften Junglinge schließt,׳ ein und derselbe Unterrichtsgegenstand, je nach den untern oder ober» Klaffen sowol sachlich als sprachlich verschieden sein muß. Geistige Nahrung, welche sür's Kind taugt, kann nicht auch den! Jünglinge gereicht werden. Ein Buch, welches für's Untergymnasium bestimmt ist, kann im Obergymnasium nicht gebraucht werden, und ebenso umgekehrt. Wenn Hr. W. für die Nothwendigkeit eines Religionsbuches am Obergymuasium plaidirt, so wollen wir dieses gerne unterschreiben, anders, wenn von einem dringenden Bedürfnisse eines Religionsbuches am Untergymnasium die Rede ist. Hier hat das Neligionsbuch eine nur sekundäre Bedeutung, Hauptsache bleibt am Untergymnasium das Lesen der heiligen Schrift in der Ursprache, das Vertrautwerden des Kindes mit der Thora und den früher« Profeten, dann die Kenntniß der Sprachformen. Nur wer das Hebräische versteht und unsere heiligen Bücher in der Ursprache liest, kann sich auch in ihren Geist versenken. Und wollen wir den Vorwurf von uns abwenden: Seit es Religionsbücher und Neligions l e h r e r giebt, giebt es nnr Religionsleere, — so müssen wir.den Unterricht in der hebräischen Sprache und Bibel zu unserem Hauptaugenmerk am Gymnasium machen. An einem Gymnasium, wo Schüler auch ohne Kenntniß der heiligen Sprache eintreten, hat der Religionslehrer nichts Besseres zu thun, als die Thora und hebräische Grammatik zu lehren. Die Thora wird zu allen Zeiten und trotz alter Autoren von Religionsbüchern das beste Neligionsbuch, wie die früher« Profeten die beste biblische Geschichte bleiben. Ist der Religionslehrer an einem Gymnasium, wie hier in Nikolsburg, wo die Schüler aus der Hauptschule schon die Kenntniß der Bibel und der ersten Profeten mitbringen, dann bleibt es seine Aufgabe, andere Bücher von חנך in der Ursprache zu lesen, die Geschichte der Makkabäer und die Nömerperiode zu tradiren. Das Neligionsbuch hat nur den Zweck, eine gewisse Ordnung in die religiösen Begriffe des Kindes zu bringen. In der Thora sind z. B. Mizwot ben Odom l'Mokom und beit Odom la Chwero