Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 256 als Leztere, oder sogenannte ״gute Bale Batim" sind? Was ist es denn, das dem R. so viele Rücksichten gegen die Wohlhabenden auferlegt, sind es nicht die von diesen erhaltenen oder zu erhaltenden Gaben und Geschenke? Warum verstummt denn oft so mancher Rabbiner Mund, um etwaige Mängel und Gebrechen zu rügen, etwa nicht, weil ihm ein goldener Riegel vor den Lippen geschoben wird? Wird aber nicht auf diese Art das Ansehen der Person besonders berücksichtigt, die Beurtheilung und das Urtheil im Vorhinein bestochen, und so das allerheiligste Gesetz 5. B. M. 16, 19, wenn auch nicht mit Absicht, verlezt? Und wäre dieser eine Punkt nicht schon an und für sich maßgebend genug, um für die Abschaffung des in Frage stehenden Gebrauches den Ausschlag zu geben? Um so wünschenswertster aber erscheint's uns, wenn wir ihn vom Gesichtspunkte der Würde des R. betrachten. . So lange, wie bereits erwähnt, der Rabbi als ein geweihter Priester Gottes, und sein Studirtisch als heiliger Opferaltar betrachtet wurde, auf den die Gaben und Spenden, als Ausdruck der frommen Verehrung und aufrichtiger Liebe niedergelegt wurden, da waren dieselben für beide Theile zugleich Werth- und würdevoll, denn sie ehrten den Geber und Empfänger. Nicht so sind sie's heute. Wir gestehen zwar gerne zu, daß es hie und da löbliche Ausnahmen gebe, und bei so Manchen noch heut zu Tage die dem R. dargebrachten Geschenke aus einem Gefühle der wahrhaften Achtung gebracht werden, aber leider bilden solche die immer seltner werdenden Ausnahmen, während im Allgemeinen dieselben für den Rabb. meist entwürdigend und erniedrigend sind. .Der Eine giebt, eben weil er, da. dies die Akzidenzien des R. sind, geben muß. Der Andere, weil er sich Ansehen verschaffen und bemerkbar machen will. Der Dritte, um nicht hinter Andern zurück zu bleiben. Der Vierte — 0, horribile dictu —■ weil er den R. von sich abhängig und sich untergeben wissen will. Solche und noch derartige unedle Beweggründe sind die trüben Triebfedern der fließenden Gaben. Und wie theuer muß der R. dieselben bezahlen, wenn auch nicht mit barer Gegenmünze, so doch mit bittern entgegengenommeuen Gefühlen! Was macht denn den jüd. Seelsorger so abhängig von Anderen, wenn nicht dieser Umstand?