Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 5 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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— 233 — Wenn auch der Verf. unter dem ע״א nicht Anbeter von Götzensondern Anhänger eines andern Gottesdienstes NN12P, was doch andern Völkern nicht abgesprochen werden kann, verstehen will, so muß doch nach Obigem jede Nachahmung ihrer Gebräuche, selbst in ganz unbedeutenden Dingen, höchst verpönt sein, ganz so wie wenn ein Kürassier die Kleidung eines Jnfanteristen anlegen wollte. ״ Da jedoch der Verf. dieses Uniformsrecht einem jeden Volke zneignet, so sehen wir nicht ein, was er mit unserm Stammvater Abraham, der mit Bausch und Bogen aus dem Truppenkorps seines Vaters Terha desertirte, machen will. Jndeß wollen wir unfern Verfasser trotz seiner vielseitigen rabbi- Nischen Gelehrsamkeit aus eine kleine von ihm ganz übersehene Stelle seines eigenen Gewährmannes, des Thalmud, aufmerksam machen. Diese lautet: R. Iosua fragt: Einmal wird Israel zum Vorwurfe gemacht, daß es die Gebräuche der übrigen Völker nicht befolgt (Hesek. 5,7); ein anderes Mal wird es wieder beschuldigt, daß es diesen Gebräuchen nachahmt (ibiä. 11, 12); wie ist dieses .^,^Räthsel zu lösen? Wol mag man, so lautet die Lösung, den guten, DE " Ät den schlechten Gebräuchen der andern Völker Nachahmer!; Israel, das ^HWer gerade umgekehrt gehandelt, traf daher dieser doppelte Tadel des Profeten tDanhedrin 39, b). Daß hiemit das ganze Gebäude des Verfassers zusammenstürzt, sieht * wol Jeder von selbst ein. In Betreff der Trauungen weiß Verfasser nicht weniger als sieben Gründe anzngeben, weshalb diese nur unter freiem Himmel, vulgo auf dem Mistberge, statthaft sind. Nach ihm ist dieser weise Brauch biblisch, thalmudisch, gesetzlich, natürlich, astronomisch, sittlich und symbolisch motivirt. Nur giebt es dabei einen Stein des Anstoßes; es wurde nämlich dem Verfasser im Namen Mancher, wahrscheinlich die er mit dem Titel כלכזרה jp| beehrt, hinterbracht, wie der Mahril, diese so große Autorität im orthodoxen Judenthum, selber Trauungen im Tempel vorgenommen; allein auch aus dieser Schwierigkeit weiß sich Verfasser, wie gewisse Kunstfechter, meisterhaft herauszuwinden. Gerade weil es Mahril selber gethan, ist erwiesen, daß dies jezt unstatthaft ist. Denn warum ist es wieder abgekommen? weil es )"NN ist! Eine sehr herrliche Logik! Doch läßt sich der Verf. zwei kleine Versehen zu Schulden kommen, erstens weiset er nach, daß seine obigen sieben Gründe blos bei Trauungen von Jungfrauen, aber nicht bei denen voF Witwen anwendbar, weshalb diese auch nach altem Brauche nie unter freiem Himmel getraut wurden. Hierin straft ihn jedoch Mahril Lügen, der gerade das Gegentheil aussagt. Zweitens behauptet Verfasser: ״wenn auch in Mahril's Zeiten Trauungen im Tempel stattgefunden, so geschah dies nur, weil die Väter so glücklich waren, ihre Töchter noch als Kinder ausheiraten zu können. Heutzutage aber unfern Töch- Lern, die wir leider unserer großen Sünden halber bis zu einem gewissen Alter heranreifen lassen müssen, ehe sie ׳heiraten können, oder gar andern erwachsenen