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Ben Chananja · 1859-01-01 · 5 (1859) · p. Seite 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
5 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 232 (sequence 40)
Language
German
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— 232 — gänzlichen Verfall zu warnen, dem es sich durch die in jüngster Zeit getroffenen Neuerungen in Kultus und Tempel aussezt. Die Gegenstände, deren Verhandlung der Verfasser sich zur Aufgabe gestellt, betreffen folgende Einrichtungen: Almemor beim Aron hakodesch, Tram ungen im Tempel, Choralgesang, das viereckige Mützchen, das Aufrufen zur Thora ohne Namen. Ueber altes dies bricht Verfasser den Stab. Nach ihm ist jeder Rabbiner, der solches einführt, ein זקן 0מרח, jede Gemeinde, die dies gutwillig duldet, eine götzendienerische Versammlung עיר הנידחת, die Väter, die solche Gotteshäuser behaglich besuchen, destruktive Geister, wie auch deren Kinder unter חשש בזירים stehen. Alles dies weiset Verfasser haarklein nach, denn bei jeder einzelnen der obigen Einrichtungen Übertritt man nicht weniger als 7—8 Verbote der Thora, und es werden daher alte Frommen nachdrücklichst aufgefordert, solche in ihrem Orte etwa bestehende Gottes- Häuser ja nicht zu besuchen und lieber das ganze Jahr ohne öffentlichen Gottesdienst zu bleiben. Unsere Leser werden gewiß neugierig sein, wie der Verf. dies Alles zu beweisen vermochte. Um ihre Neugierde zu befriedigen, wollen wir hier einige Proben daraus mittheilen. Der Verf. geht einmal von der festen Ueberzeugung aus, daß obige Einrichtungen ganz nutz- und zwecklos sind, und blos deshalb eingeführt worden, um andern Glaubensgenossen, die man auch mit aller Hast in solche Gotteshäuser einzuführen sucht, unsere Bereitwilligkeit zu zeigen, ihnen so viel als möglich nachahmen zu wollen. Diese Nachahmungssucht verstößt aber gegen mehrere göttliche Vorschriften (3 B. M. 18, 3, 30. 20, 23), wo es ausdrücklich heißt, daß wir nach den Gebräuchen der ״Völker" nicht wandein sollen. 'Nun merkt aber Verfasser seinen eigenen Widerspruch, da er selbst gleich Anfangs die Erklärung abgab, daß die jetzigen Völker keineswegs als Götzendiener zu betrachten sind, wonach also sein ganzes Gebäude aus einander fällt; doch ans dieser Klemme hilft er sich meisterhaft heraus. Da nach einem thalmudischen Aussprache (Berachoth 58, a) das himmlische Reich ganz analog dem irdischen ist, so raisonnirt Verfasser, wie folgt: So wie es in einem irdischen, wohlorganisirten Staate verschiedene Stände und Rangordnungen, mannigfache Abtheilungen der Beamtenwelt und der Heeresmacht giebt und dabei jedem einzelnen Stande seine eigene Uniform vorgeschrieben ist, so daß z. B. bei der Armee die Einen zu Fuß, die Andern zu Pferd erscheinen, die Einen mit Lanzen, die Andern mit Karabinern bewaffnet, diese in Röcken, jene in Mänteln gekleidet sind; ganz so hat auch unser lieber Herr Gott seine irdischen Armeen, d. h. die verschiedenen Völker auf Erden, in Klaffen eingetheilt, jeder eine eigene Uniform angewiesen, die sie bei Leibe nicht wechseln darf. Wenn also ein jüd. Kantor ein viereckiges Mützchen, also die Uniform eines andern Standes, als dem er angehört, anlegt, so verdient derselbe, wenn nicht gar Todesstrafe, doch wenigstens ein zehnmaliges Ruthenlausen.

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