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Ben Chananja · 1859-01-01 · 5 (1859) · p. Seite 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
5 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 222 (sequence 30)
Language
German
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— 222 Und wenn auch einige Autodidakten sich mit kühnem Geistesflug in jene Sphären erhoben, nun so sind's Kometen, deren Bahnen menschlicher Berechnung noch immer nicht ganz zugänglich sind, die nur in entfernten Zeiträumen erscheinen; und Unregelmäßigkeiten haben sie denn doch immer, und der Geist des Cheder wird sie nimmer erklären. 6. Der Unterricht im Cheder .hat den Funken gezündet, die Methode dos Rebbe war der Stab, der ans hartem Felsen die Labequelle schlug. — Was soll man dazu sagen? — Eine so hohe Meinung hatte der Rebbe selbst nicht von sich. ״Ich kann dem Kinde meinen Kopf nicht aufsetzen", sagte er zu dem klagenden Vater; was soll das anders heißen, als: wenn das Kind von Natur nicht denken kann, ich kann's ihm nicht lehren. Ja, wenn der Hr. Dr. behauptete, der Thalmud selbst, als rein spekulatives Lehrobjekt, hat jene noch eingeschloffene Verstandesknospe durch seine gewaltigen Lichtstralen, wenn auch ohne Frühlingswärme geöffnet und Helles Fackellicht in den Jugendnebel geworfen: man müßte cs zugeben und -sich nur nach dem praktischen Lebenszwecke dabei erkundigen. Aber von einer Methode des Rebbe sprechen? Ich möchte mit Erlaubniß des Hrn. Dr. seinen, Eingangs markirten Satz so stellen: Der Stab des Rabbi war die Methode, die aus dem harten Schädel die Lebensquelle schlug. — Hat es denn ein solcher Magister je unternommen, wie ich es bei neuern Thalmudlehrern gesehen, das Kind auf den abzuhandelnden Gegenstand vorzubereiten, es erst mit dessen Grundlage in der Schrift bekannt zu machen und durch katechetische Ab- Wickelung in das Innere der Sache einzuführen? Fiel er nicht geradezu mit der Thür in's Hans und schüttete mit dem Kind das Bad ans? Und wie hat denn der Rebbe das Kind zum Leinen geleitet? Das Pensum wurde quantitativ bestimmt, das war alles; Fußtritte, Rippenstöße und Ohrfeigen, das war beim Gramen die Gradation der ertheilten Fortgangsnoten; Geschmackssache blieb es noch, die Strafe zu diktiren, das Kind solle in des Rebbe Schnupftuch schnäuzen (Thatsache). Das war die gepriesene Methode. Wenn das Kind außer diesen Gratisbeilagen des gerühmten Erziehnngs-Modejournals deAnoch auch etwas Besseres ans dem Cheder forttrug, so war es, wie gesagt, nur dem anregenden Lehrobjekte zu danken. Was können wir also vom Cheder lernen? — Sehr viel! alle seine Fehler meiden, in unserer Schule \ bleiben und beharrlich ans der Bahn des Fortschrittes fortschreiten. Schlnßbemerkung. Ich wollte in Vorstehendem keineswegs das alte Cheder-Jnstitut verdammen. Jede Periode der organischen Entwickelung ist an sich gut und vollkommen als Selbstzweck und Unterlage einer weitern Ent- Wickelung; aber eine frühere Entwickelungsstufe in eine spätere Periode versezt, giebt Mißwachs und Noth. Die Chausseen und Kaiserstraßen waren gar Herrliche Anstalten zur Beförderung der Kommunikation der Städte und Länder; aber seit man Eisenbahnen kennt und hat, haben sie viel an praktischem Werth und Nutzen verloren.-

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