Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 4 (1859) · p. Seite 189

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
4 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 189 (sequence 45)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543099--0807-2544494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

189 — Was nun die Thalmud-Thora betrifft; so fragt es sich: Will man eine jüdische Volksschule oder nicht, denn ohne diese läßt sich kaum annehmen, daß eine Thalmnd-Thoraschule hier dauernd bestehen kann. Die Kinder find sehr von den Schulgegenständen in Anspruch genommen, wie sollte ihnen noch die Zeit bleiben, die Thalmud-Thoraschule zu besuchen. Dazu ist nicht außer Acht zu lassen, daß die Entfernung hier, auch in Anschlag zu bringen ist. Ein Anderes wäre es, wenn eine Volksschule in Verbindung mit einer Thalmud-Thora in's Leben gerufen würde. Bekanntlich aber giebt es viele Bedenken, die der Ausführung dieses Planes im Wege stehen. Ich weiß nicht, ob es für die Leser d. Bl. von Interesse ist, zu ersahren, daß die Wischeberach, wenn auch nicht im weitesten Sinne, wieder hier eingeführt find. Es heißt, man glaubt durch diese Maßregel den Tempelschatz um ein Bedeutendes zu mehren. Möge man sich keiner Täuschung hingegeben haben. Wien hat den Ruf einer reichen Gemeinde, und doch muß man zu diesen Mitteln seine Zuflucht nehm.en, denn daß obiger Ausdruck ״Tempelschatz" nur bildlich zu nehmen ist, habe ich wol nicht nöthig hinzuznsügen. Eben so gehet man damit um, die Kultussteuer zu erhöhen, und daran thut der Vorstand sehr recht. Es sind die reichen Leute hier unverhältnißmaßig nur gering zu Kultuszwecken besteuert. Homoim, am 17. März 1859. Ben-Chananja hämmert wacker los auf den Ambos der Gegenwart, wobei die Hellen Geistesfunken in solcher Fülle auffliegen, daß fie in den weitesten Kreisen als eben so viele Boten des herannahendeu schönen Morgens begrüßt werden. Schade nur, daß in manchen Gegenden unseres theuern Vaterlandes die Geistesnacht noch zu tief ist,׳ um von einzelnen — ob auch leuchtenden Funken erhellet zu werden. Da thäte es Noth, daß die Funken glühende, verzehrende Blitze würden, und das Ungewitter drein schlüge, damit doch endlich der Forderung der Gegenwart ein Genüge geschehe. Aber dieses lustreinigende Gewitter ist in keinem Kalender unseres Zahrhnttderts verzeichnet, und der Unsinn macht sich breit und das Lichtwill nicht kommen. — Was Wunder also, daß man dir, lieber B.-Ch., so viel von Schatten zu reden weiß. Will man doch das vom Roste der finstern Bergangenheit angefreffene, sonst recht gesunde Eisen in die rechte Schmiede bringen. Sei auch mir, guter B.-Ch., nachsichtig ünd verzeihe mir, daß ich dir in meiner schlichten Weise nur Unerquickliches zu melden komme. Ich meine es wahruch gut. ואם המעשה אינה רצוי הנה הכוונה רצויה. Nun habe ich dir von einer Bauernemente mitzutheilen, die gegen die Juden Varano's (Zempl. Komit.) gerichtet war, und die noch vor ihrem Ausbruche von dem energischen k. k. Stuhlrichteramte desselben Ortes peremptorisch unterdrückt wurde. Es war nämlich unter den dortigen Bauern das gräßlichbleiche, schreckverzerrte Gespenst auftrstanden, welches so viele Male zu Grabe getragen, eben so viele Male seine Höllenglieder reckte, fletschend in die Welt blickte , und Israel zu verschlingen drohte. Dieses Gespenst — denke dir — es ist jener verfluchte Glaube, daß wir Inden zur Mazoth-Bereitnng Blut brauchten. Kein Creigniß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.