Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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— 188 — nachgiebt, der Nothwendigkeit stch fügt, und Altes läßt, wie es ist, den trifft der harte Vorwurf: der Rabbiner wirkt nichts. Wie wahr diese unsere Behauptung, wollen wir im nächsten Kapitel beweisen. Lorrespondenz. Wien, 14. März. In einer ernsten Zeit, wie die ist, in welcher wir leben, übt ein Scherz mit doppelter Kraft seine Wirkung aus, und ich gestehe aufrichtig, wenn der ehrsame Vorstand der Auffeer Gemeinde einen Fastnachtsschwank ausführen wollte, so hätte er nichts Besseres thun können, als den Streit mit Ben-Chananja anfangen. ״Es kratze stch, wem es juckt", ist nicht bloß der Ausspruch des Prinzen Hamlet. Wessen Schuld aber ist es, wenn jene Notiz so genau das Schwarze getroffen hat. Da klagt man über Hierarchie, und nun schaue man stch diese Oligarchen an. Uns ist es übrigens unbekannt, daß ein Redakteur gezwungen werden kann, seine Mitarbeiter zu nennen. Wir müssen es vielmehr als ein Mißbrauch des Vertrauens betrachten, wenn eine Redaktion genug indiskret wäre, den Namen eines Mitarbeiters, der anonym bleiben will, der Oeffentlichkeit zu übergeben. In Frankreich, wo man die Macht der Presse brechen wollte, führte man das Gesetz ein, daß die Mitarbeiter stch nennen sollten; hingegen ist es bekannt, daß nur sehr wenige wissen, wer die Verfasser der Limes-Artikel find. — Doch genug davon, wir wollten blos von diesem Verstandesdünkel Notiz nehmen. In der hiesigen Gemeinde wird jezt die Frage einer Thalmud-Thora und Rabbinatsschule ventilirt. Man möchte nämlich hier eine Rabbinatsschule errichten, wo junge Leute in vollem Maße nach allen Seiten und Richtungen der Wissenschaften hin, zu Rabbinern herangebildet werden. So löblich auch dieser Gedanke ist, kann ich mir doch nicht versagen, meine unmaßgebliche Anficht dagegen auszusprechen. Wien scheint mir nicht der geeignete Ort für eine Rabbinatsschule. Es fällt mir durchaus nicht ein, darauf anzutragen, daß Rabbinats-Kandidaten ein klösterliches Leben führen sollen, wo fie von aller Welt abgeschlossen find; aber keineswegs sollen diese Kandidaten gänzlich der Ueberwachung entzogen sein. Wien jedoch ist eine zu große Stadt. Wer wollte an dem einen Ende der Stadt wissen, was am andern Ende vorgeht. Es ist auch der Kostenpunkt nicht außer Acht zu lassen. Wenn eine Rabbinatsschule in Wien begründet wird, so kann sie nicht armselig bestellt sein. Es müssen die hervorragendsten, bedeutendsten Kräfte gewonnen werden, und diesen muß die Möglichkeit gegönnt sein, anständig zu leben, ״und diese" ist in Wien, besonders in lezter Zeit, sehr theuer. Rechnet man noch hinzu, daß auch Räumlichfeiten beschafft werden müssen, die in Wien bekanntlich ebenfalls nicht billig find; so ist der Kostenüberschlag jedenfalls nicht unbedeutend. Freilich will ich es nicht in Abrede stellen, daß Wien durch die Universität, Bibliothek rc. den RabbinatS-Kandidaten sehr förderlich sein kann.