Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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— 190 — war vorangegangen, das zu einem .so entsetzlichen Glauben Veranlassung gegeben hätte; sondern ein hingeworfenes Wort von — ich weiß nicht wem — fiel in den fetten Dünger des Judenhaffes, und — visperte es früher Einer dem Andern leise zu; munkelten es erst die alten Basen bei ihrem Spinnrocken, so sprach man es nach kürzester Frist laut und nngescheut an öffentlichen Plätzen. Der leere Popanz hatte Form und Gestalt gewonnen, und er richtete sich verderbendrohend gegen die armen, oder richtiger gegen die reichen (?) beneideten Juden. Aber nach gemachter Anzeige nahm auch das k. k. Stuhlrichteramt derartige Maßregeln, daß wol für die längste Zeit das Gespenst schlafen gegangen sein mag. Den Lügeverbreitern wurde unter Trommelschlag, bei Strafe von 30 fl. C. M. und dreimonatlichem Arrest, jede Aeußerung in judengehässigem Sinne untersagt, und das wird wol den aufgeregten Pöbel zum Schweigen bringen. > So weit wäre ich denn mit dem ״borror umbranum“ meines Berichtes, Ferner will ich zur Vergütung ein schnackiges Geschichtchen erzählen, das im Grunde nicht weniger traurig ist. Zum heiligen Lißkaer ״Rebben" kam vor etwa einem Monate ein Polnischer ״Melamed" mit der Klage, daß er seinem Weibe, mit dem er eilf Jahre gelebt, nunmehr Get gegeben, weil er von demselben kein Kind erhalten hatte. ״Rebbe, Kdosch Israel! was muß ich thun, damit ich einen Sohn bekomme?" So seufzte der Melamed zmn Heiligen empor. Dieser hieß ihm das erste beste Mädchen Ktant6 p6ä6 heiraten, das er auf seinem Wege in die Heimat treffen, und das ihm natürlich — ein Jawort geben werde. ״Seid nmwtach, daß Euch dieses Weib in kurzer Frist ein Kind gebärt". Gesagt, gethän; der Rebbe hat's geheißen und es geschah. Um seinen spärlichen Jmbis einzunehmen, war der Melamed in ein Wirthshaus eingekehrt, und dort stieß er auf ein Mädchen; es mochte Köchin oder Statlmagd sein. Diesem stellte er seinen Heiratsantrag, der wohlwollend auf- und angenommen wurde. Nach einigen Tagen ist der Melamed mit dem vielleicht gar von der Straße aufgelösten Mädchen ein Paar, und dieses kömmt hieher nach H., weil das junge Weib hier eine alte Schuld von einigen Gülden zu beheben hat. Aber — welch ein Mirakel! Bald nach ihrer Ankunft fühlet die Frau Geburtswehen, und ehe noch die Hebamme angelangt, hatte der Melamed bereits den Kindersegen im Hause. Sein vor vier Tagen geehelichtes Weib hatte ein Mädchen zur Welt gebracht! Die hiesige Schule erfreuet sich eines trefflichen Gedeihens, wie danicht anders von einer Anstalt zu erwarten ist, die unter dem umsichtigen Direktorate eines Dr. Ungar steht. Auch der gesinnungstüchtige Vorstand, Hr. Barkany, hat seine Verdienste um die Schule. Zu Anfänge des vorigen Kurses fand an derselben ein Lehrerwechsel statt, in so ferne das Ausscheiden des schon oft in diesen Blättern erwähnten I. Rosenmeyer nöthig wurde. Für denselben wurde Hr. M. N. Rottenberg, ein noch junger, aber vielversprechen« der Schulmann zur Ergänzung des Lehrpersonals aqnirirt, und der seinen Platz tüchtig anszufütlen verstehet. Auf Hrn. Nosenmeyer will ich in meinem