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Ben Chananja · 1859-01-01 · 4 (1859) · p. Seite 186

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
4 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 186 (sequence 42)
Language
German
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— 186 — Vermittler des Friedens, Ursache der Entzweiung und Mittelpunkt der Einigu«g — H רוסא ולא• ' Die Vereinigung solcher Gegensätze erfordert wahrlich ein nicht geringes Talent! AVer vom Rabbiner der Gegenwart wird noch mehr gefordert als von dem der Vergangenheit: er muß zuvörderst Schulmann sein, da er so viel harte Prüfungen zu bestehen hat in der Schule des Lebens, und wie ein Schulknabe von so manchem Schulknaben sich muß schulmeistern lassen; er muß Katechet sein, da er so viel zu fragen und zu verantworten hat, obschon nach ihm gar wenig gefragt, und seine Fragen gar oft unbeantwortet bleiben. Der Rabbiner des 19. Jahrhunderts, heißt es gewöhnlich, muß Weltmann fein und mit der Welt zu leben wissen; daß es aber eine schwere Aufgabe ist, mit der Welt zu leben, wenn die Welt einem nicht zu leben giebt, so daß man ohne Halt und ohne Unterhalt nicht sehr unterhaltend sein kann, wird nicht berücksichtigt. Der Rabbiner der Neuzeit, heißt es ferner, muß populär sein, darunter wird aber keineswegs verstanden, eine durch liebevolles und leutseliges Betragen zu erwerbende Beliebtheit, sondern, er muß populär sein, heißt: die vor xopuli muß sein ausschließlicher Lenker, Leiter, Gesetz- und Rathgeber sein; wenn diese Stimme von Außen ertönt, muß die vox Dei in seinem Innern verstummen. Aber als conditio sine qua non wird vom Rabbiner der Gegenwart, selbst, in der kleinsten Gemeinde, ein ausgezeichnetes Rednertalent verlangt; mag er noch so wenig Gehalt haben, die Predigt muß gehaltvoll sein. Und in der That, wenn man steht, wie allenthalben nach der Predigt gehandelt wird, wie sie alte Gemüther durch dringt, wie es von jeder Predigt heißt: Unerhört! wer wird dann den Rabbinern der Gegenwart das Zeugniß eminenter Beredtsamkeit verweigern wollen? Daß aber die Predigt trotzdem kein Echo findet, kann nur von akustischen Gesetzen herrühren, weil sie nämlich eine Stimme in der Wüste ist. 2. Nachdem wir nun wissen, was der Rabbiner der Gegenwart sein soll, fragt sich's: was soll er Nichtsein? Er soll vor Allem nicht eigennützig sein, daß heißt, er soll sein Recht nie behaupten, jedes Unrecht sich gefallen lassen, jede Verkürzung und Schmälerung stillschweigend hinnehmen, und nie verlangen, was ihm rechtlich gebührt; thut er das, so sieht er auf den eigenen Nutzen und ist eigennützig. Er darf ferner nicht parteiisch sein, d. h. seine Freunde und Verehrer dürfen nicht höher in seinen Augen stehen, wie seine Feinde und Verächter, die Würdigen dürfen den Unwürdigen nicht vorgezogen werden; das Gefühl der noch so begründeten Neigung und Abneigung darf, er nicht äußern, das Urtheil des Beifalls und Mißfallens nicht laut werden lassen, will er nicht als parteiisch gelten; jede Hinneigung der Seele nach Einer Seite wird alsogleich von der andern als Parteilichkeit verschrieen. Der Rabbiner darf nicht stolz sein, heißt es ferner; wer wird dieser Forderung nicht mit ganzer Seele beipflichten? wer wird dünkelhaften Stolz, Hoffart und

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