Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 184 — Was können wir vom allen ״Cheder" lernen? Entgegnung von S. Schütz, Oberlehrer in Kanitz. In einer von dieser Zeitschrift*) mitgetheilten Confereuzrede des Hrn vr. Eisler wird von demselben der gesammte Lehrkörper der Nikolsburger isr. Hauptschule ins Cheder geschickt, um dort die praktische Seite der pädagogischen Didaktik kennen und üben zu lernen. Da der sehr ehrenwerthe H. vr. wünscht, von vielen modernen Lehrern gehört zu werden, so wird er es hoffentlich auch gestatten, daß die, die ihn hören — oder lesen — ihre Ansichten und Meinungen über die Sache frei aussprechen, eheste den säuern retrograden Gang wirklich thun. Ich will also die Punkte jener Rede, die eine bescheidene Widerlegung zu verdienen scheinen, hier.anführen und mit meinen Bemerkungen begleiten. 1. Herr vr. meint: Eine gute Schule muß ihre Schüler zur Selbstthätigkeit erziehen etc. — sie gewöhnen, die Krücken zu entbehren und auf eigenen Füßen zu stehen etc. — Vollkommen wahr! aber der Verstand ist es nicht allein, der den Menschen durchs Leben trägt und aufrecht hält; die andern Geisteskräfte, die Sinne und Gliedmaßen find kein überflüssiger Ballast, die der Schöpfer dem Fahrzeuge des Erdenlebens auf die Fahrt durch die stürmischen Fluten der Zeit mitgegeben, und die Vernunft, jene höhere Urteilskraft, gehört gar nicht in den Bereich der Wirksamkeit einer Volksschule; denn sie ist unter allen intellektuellen und moralischen Seelenkräften diejenige, die sich am spätesten entwickelt; im Schulalter schlumwert sie noch in der Knospe eingeschloffen; wer wollte diese ungestraft brechen? Soll der Satz: cogito ergo sum auch umgekehrt gelten, so verliert die Wahrheit an Umfang, weil die Jugend unbedingt von dem Schlüße ausgenommen werden muß. Die Jugend thut altes, nur nicht denken; kann es nicht, soll es wohl auch nicht, weil nach dem weisen Plane des Schöpfers in der Natur die Kräfte sich nur nach dem Maßstabe des Bedürfnisses zu ihrer Anwendung entwickeln, die Kinder aber sich ohne Denken sehr gut behelfen und dabei sehr glücklich sind. Altkluge Kinder sind dem neuern Pädagogen ein Gräuel und nur wer selbst der Natur ferne steht, kann sich an einen jugendlichen Raisonneur ergötzen. Auch die christlich-deutsche Volksschule war von solchen Jrrthümern nicht frei, als man in Folge mißverstandener Auffassung der Basedowschen Lehrmethode anfieng, die ausschließlich formelle Verstandesbildung in manchen Erziehungsinstituten recht fabriksmäßig zu betreiben. Die ״Denkübungen" von Krause und Zerrenner ftiib Zeuge und Denkmäler jener Verirrung; aber welche Schule macht heute Gebrauch von ihnen? ) S. 2. Heft Seite 83.