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Ben Chananja · 1859-01-01 · 4 (1859) · p. Seite 163

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
4 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 163 (sequence 19)
Language
German
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163 — Wir sagten oben, daß selten spanische und polnisch-deutsche Juden sich unter einander verheiraten. Das spanische Heirats- Zeremoniell ist aber überdies so eigenthümltch, von dem der enropäischen Israeliten so sehr abweichend, daß ich es hier mit ein paar Worten erwähnen will. Erstens wird bei den Spagnolen das Verloben beinahe als ein eheliches Verbindniß betrachtet, und selten wird man bei denselben eine Verlobung rückgängig werden sehen, so wie man noch viel seltener bei ihnen wirkliche Eheschetdüngen trifft, obschon bei ihnen fast nie die Heiraten aus innerer Neigung, vielmehr stets aus Convenienzrücksichten geschloffen werden. Allein der Ehescheidungsakt an und für sich selbst gilt ihnen gewissermaßen als eine Sünde. Dieses ist um so merkwürdiger, als bei der christlichen und auch bei der polnisch-jüdischen Bevölkerung in den Fürstenthümern Ehescheidungen sehr häufig vorzukommen pflegen. Das Hochzeits-Zeremoniale ist in Kürze folgendes: Drei Tage vor der Hochzeit wird die Ausstattung der Braut in einem Zimmer ihres Wohnhauses öffentlich ausgestellt, und an diesem Tage Vorniittags die Aeltesten der Gemeinde, Nachmittags hingegen die Frauen zur Beschau eingeladen. Die Männer nehmen auch die Abschätzung der Ausstattung vor, die gewöhnlich etwas über ihren reelen Werth angeschlagen wird. Der Gesammtbetrag wird zu dem baaren Gelbe, das die Braut bekommt und das ebenfalls auf dem Tische vomptunt daliegt (eine verwünschte Sitte wäre dieses für manche Mitgift versprechende Eltern anderswo!), hinzugerechnet, und darauf der Ehekontrakt (die Ketubah) ausgesezt. Nachmittags kommen die Frauen, doch bloß um die Ausstattung zu besehen und ihr die gebührende Bewunderung zu zollen. Nach drei Tagen, immer an einem Mittwoch Nachmittags, findet die Kopulation statt. Statt einer ״Chuppah" wird das Brautpaar mit einem Gebetmantel (Talith) bedeckt. Neben den Verlobten stehen die Beistände, vor ihnen der einsegnende Chacham. Er spricht die gewöhnlichen Segenssprüche, liest dann die ״Ketubah" in einer Art Rezitativ vor, und unterschreibt sie mit noch zwei andern Zeugen in Gegenwart der Versammlung, dann kommt die Zeremonie des Ringgebens, des Glaszerbrechens, deö Segensspruches mit dem Kelch, also kein ״Herumdrehen" und keine 11*

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