Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 162 — Der Typus der Spagnolen ist ein echt südlicher. Ihre Gesichtszüge sind edel und markirt. Ihre Frauen sind mitunter von frappanter Schönheit, mit glühend schwarzen Augen, einem feinen, etwas in's Braune ziehenden Teint. Doch fehlt diesen Schönen oft die Grazie, die nothwendige Bedingung eines dauerhaften Gefallens, und die doch nur eine Frucht des ästhetischen Taktes ist. Die Sprache der Spagnolen ist eine castilische Mundart, die aber im Laufe der Zeiten und bei der so langen Trennung vom Mutterlande in ihrem Munde sich korrnmpirt hat, theils durch Verschlechterung der Aussprache, theils durch Einmischung hebräischer und selbst türkischer Elemente. Doch in Beziehung des Reinsprechens haben die Spagnolen vor den polnisch-deutschen Juden den Vorzug, daß wenn sie die deutsche Sprache erlernen, sie dieselbe gewöhnlich rein aussprechen, statt daß die gebildeten Polen, mit wenigen Ausnahmen, noch immer in ihrer Aussprache Spuren ihres frü- Heren Jargons merken lassen, eben weil dieser Jargon der deutschen Mundart so nahe steht, daß sich beide Dialekte im Gedächtniß leichter confundiren, und im raschen Sprechen das Eine für das Andere, so zu sagen unbewußt über die Lippen geht. Die Spagnolen zeigen im Allgemeinen sehr wenig Sympathien für ihre polnisch-deutschen Religionsgenossen und Brüder; es ist auch dieses wahrscheinlich ein Erbstück des Orients, der bekanntlich früher gegen Alles, was occidentalen Ursprungs war, eine große Antipathie an den Tag legte. Dem sei jedoch wie ihm wolle, Thatsache ist's, daß sich selten Spanische mit Polnisch- Deutschen verheiraten, selten mit einander intim verkehren, und fast nie eine gemeinsame Gemeinde bilden, einen Punkt ansgenommen: nämlich den Gottesacker! Im Tode bilden sie wol eine Gemeinde, im Leben wollten sie es nicht; doch um auch hier eine Differenz zu"statuiren, liegen die Leichensteine auf den Gräbern der Spagnolen, während sie auf den Gräbern der Polnisch-Deutschen, wie überhaupt bei allen europäischen Völkern, zur Kopfseite des Grabes stehen. .Wie es bei den Spagnolen dazu kam, die uralten hebräischen ״Mazewa" (Standmonument) auf das Grab zu legen, kann ich mir noch jezt nicht recht erklären.