Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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— 161 — für Vers mit einander abwechseln. Merkwürdig ist es, daß in diesem gewiß sehr alten, mit allen resormatortschen Bestrebungen der Neuzeit n i e in Berührung gewesenen orientalischen Ritus das Prinzip der stetigen Fortbildung, so wie die Ausnahme von Gesang- und Gebetstücken aus der dem Volke verständlichen Landessprache auf das allerdeutlichste ausgesprochen ist. Daher hört man in dieser Synagoge manche Ritualstücke in spanischer Sprache beten, wie denn andererseits den zerstreuten sefardischen Synagogen von Zeit zu Zeit aus dem Orient neue, den Tagesereignissen, angepaßte Gebete zugeschickt werden, die zeitweilig in den Ritus ausgenommen werden. Die Frauenschule ist oberhalb der Männerschule mit einem äußerst dichten Holzgeländer versehen, hinter welchem die Frauen, den Kopf verhüllt, dastehen und dem Beten zuhören, denn selbst zu beten sind sie nicht im Stande, da sie im Allgemeinen leider gar nicht lesen können. Im häuslichen Leben des Spagnolen sind noch viele orientalische Erinnerungen zu finden, und obschon die Frau nicht, wie beim Mahomedaner, ihr Leben in einem abgeschlossenen Harem zubringt, so ist's doch Sitte, daß die spanischen Frauen so viel als möglich zu Hause bleiben und ihnen die Männer alles nach Hause bringen. Ueberhaupt achtet der Spanier seine ״Bulisa" (Frau) wie eine wahre Königin, wiewol das Hansgouvernement nach der Ansicht der Spagnolen, wie des Orientalen überhaupt, nur dem Manne allein zufteht. Die spanische Frau weiß daher nicht im Geringsten, wie die Geschäfte ihres Mannes gehen, bekümmert sich auch nicht um dieselben, eben so wenig um die Erziehung ihrer Kinder. Die gewohnte orientalisch-geistige Apathie schüzt vor Langweile, und sollte sie sich doch einstellen, so veranstaltet man gemeinschaftliche Badeprozessionen, wo mehrere spanische Frauen zusammen eine Wallfahrt nach irgend einem türkischen Dampfbade (in der Stadt) halten, wo man gemeinschaftlich badetausruhet, Dultscheaza (Confitur) ißt, und so einen Tag in orientalischem Hochgenüsse zubringt, den nur der zu würdigen weiß, der in die deliziösen Mysterien eines orientalischen Bades eingeweiht ist. v«u-ed»»njms. IV. 11