Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 4 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 154 — Einsicht führen müssen, daß der Amuletenglanbe im thalmudischen Zeitalter, wie unter Griechen und Römern, so auch unter den Juden als Volksglaube verbreitet war, und allerdings auch von den Schriftgelehrten getheilt wurde, ohne daß jedoch diese selbst sich mit der Anfertigung und Ertheilung von Amuleten befaßt oder denselben Heiligkeit zugeschrieben hätten aa). Im thalmudischen Alterthume wurden Amulete nicht bei Rabbinen, sondern bei Aerzten und Quacksalbern gesucht und gefunden. Das vulgäre Thalmudstudium konnte aber nicht zu dieser Einsicht führen. Auch brachte es der Geist den Zeit mit sich/daß der Glaube an Wunderkuren sich immer mehr konsolidirte. In Frankreich, und wol auch in Deutschland, nahm man bei Krankheitsfällen statt zu ärztlicher Hülfe sogleich zu dem Segen deS Rabbiners seine Zuflucht (R. Jos. Jbn Chabib bei R. Sal. Ha-Lev. D. Sal. 36, b). Man sezte sich in dieser Rücksicht sogar über den Thalmud hinaus, oder man suchte dessen Aussprüche durch künstliche Deutung mit der eignen Einsicht und Denkweise in Einklang zu bringen. R. Akiba b. Josef erklärte, daß jeder der Seligkeit verlustig sei, der Wunden durch Bannformeln zu heilen versucht 23). Diese Strenge rührt ohne Zweifel aus dem Umstande her, daß sich die Effäer und ihre Nachfolger vielfach mit den von den Griechen überkommenen Wunderkuren befaßten. Das Verbot R. Akiba's wurde aber trotz aller Verehrung, welche mau dem Urheber desselben mit vollem Recht zollte, dennoch nicht beachtet. Es vermochte nicht, sich die Richtung einer Zeit unterzuordnen, welcher die Bannsormeln Bedürfniß waren, und die von der Unfehlbarkeit derselben eine viel höhere Meinung hatte, als heutzutage viele Aerzte von der Gewalt ihrer natürlichen Heilmittel haben. Schon in den Tagen R. Jehuda's des Heiligen wurde R. Akiba's Prohibition gewaltsam umdeutet. Nicht der Gebrauch der Bannformel, sagte man, ist sträflich, sondern das unehrbietige Ausspucken, das damit verbunden zu sein Pflegt! Merkwürdiger Weise wird diese nnhermenentische Auffassung ״) Sabb. 115, b:הברכות והקמיעין •י• אין מוציאי׳ אותם מפני הדליקה• Bergt, jedoch das. 61, b. ״) Sach. 10,1: הלוחש על המכה•