Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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— 138 — Nachbemerkung der Redaktion. Die von unserem gelehrten Korrespondenten angeregte Frage kommt sür viele Gemeinden, wo doppelsprachige Epitasien seit Jahren üblich sind, zu spät, für andere Gemeinden, wo ein derartiger Versuch noch nicht gemacht wurde, wol zu früh. Uns scheint die Frage, wie viele ähnliche Fragen, nicht religiöser, sondern kultureller Natur zu sein. Die italienischen Rabbinen bedienten sich häufig der italienischen Sprache und Schrift selbst bei Ausstellung ämtlicher Dokumente, wie u. A. aus Pachad Jizchäk II. 44 ff. erhellt. Die Namen der bürgerlichen Monate waren ihnen daher geläufig und der Gebrauch derselben schien unverfänglich. Schon im 16. Jährh. bediente sich Asariah de' Rosst dieser Namen. Der Gebrauch der Monatnamen führte zu dem der Jahreszahlen. Die polnischen und die ihnen folgenden deutschen Rabbinen dagegen standen der weltlichen Bildung fern, und lasen und schrieben nur hebräisch und rabbiuisch. Jede fremde Sprache wurde von ihnen perhorreszirt. In ihren Schriften sucht man daher vergeblich nach den bürgerlichen Monatnameu, es sei denn, daß dieselben von Italienern gebraucht werden. Die in Rede stehende Frage hat übrigens vor einigen Jahren in PrLpa zu einem Prozesse geführt, welcher zum Siege der Bilinguisten über die Unilinguisten führte. Seitdem geben daselbst auch manche orthodore Familien der bilinguistischen Grabschrift den Vorzug. Auch diese Nachgiebigkeit beweist, daß die Differenz nicht verschiedenen Religions- Meinungen, sondern verschiedenen Kulturzuständen ihren Ursprung verdanke. Slavrmien. In ganz Slavonien finden sich beiläufig 250 jüdische Familien, deren Häupter zumeist erst seit ungefähr 30 Jahren als eingewanderte Handwerker oder Hausirer sich hier niederließen, und in diesem von Gott gesegneten Lande ihr gutes Fortkommen fanden. Sie leben zerstreut in kleinen Gemeinden oder in einzelnen Familien auf dem Lande und kümmern sich wenig um die schönere Entfaltung des Jndenthums durch Schule und Kanzel. Esseg allein, unter der umsichtigen Leitung des Oberrabbiners Sam. Spitzer, unterstüzt von einem wackern Knltnsvorstand, bildet eine rühmenswerrhe Ausnähme. Sonst ist für den bessern Unterricht der Jugend nirgends etwas Erhebliches geschehen. Schwär). Vukovar, 1. Februar. Ben-Chananja, der nun im zweiten Jahre seine, für Synagoge und Schule, für Gemeinde und Familie, für spezielljüdische, wie allgemeine Wissenschaft heilsame und zweckfördernde Runde macht, und so manches edle Wirken, das sonst in bescheidener Stille der Oeffentlichkeit unbekannt geblieben wäre, imparteiisch weiten Kreisen mittheilt, mögeauch nachstehende Skizze von dem Streben und Schaffen unserer Kultus-Gemeinde in seinen geschäzten Heften einer Ausnahme würdigen. Vukovar ist die älteste jüdische Gemeinde in Slavonien. Im vormaligen Syrmien war sie die Hauptgemeinde, und sie behauptet auch in neuerer Zeit als selbstständige Bezirksgemeinde, wenn auch nicht mehr in quantitativer, doch in qualitativer Beziehung ihren Rang und Namen als קהלה.