Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 — NM sich einen Namen zn machen. Der Rabbinatsbrief hat ftS; mm tu Bähmen astgemein in den Konkurs, die Schrift in Druck verwandelt; was früher sub rosa geschah, geschieht nun sub basta, ans dem HpT קול דפ(0ה ist ein רוח גדולה והזק geworden. Aber trotzdem ist diese Veränderung in gewisser Beziehung ein Fortschritt zum Guten, indem einerseits auch den düs minorom gentium unter den Rabbinern der Weg, wenn auch nicht zum Ruhme, so doch zur Verbesserung ihrer Lage, und anderseits den Gemeinden ein freierer Spielraum für ihre Wahl geöffnet wurde; außerdem bietet der Konkurs den Gemeinden die Genugthuung, daß sie unter vielen Nebeln das kleinste wählen, und Viele wegschicken können, ehe sie Einen wählen. Wir wollen den Entwicklungsprozeß dieser modernen Rabbineranstellungs- Methode etwas näher betrachten. Ursprünglich war der Konkurs für die Bewerber ein verläßlicher Rathgeber; die darin gestellten Bedingungen und ausgesprochenen Ziffern der Gehalte und Emolumente waren weder übertrieben noch prekär, man wußte, um was man sich bewarb, und um was man seine bisherige Stellung anfzugeben entschlossen war. Was ist dieser Konkurs heutzutage? Er ist nichts als ein trügerischer Köder, um im Drüben zu fischen; daher leider die Trübseligkeit und Kaltblütigkeit. Als Zeitnngsannonze hat endlich dieser Konkurs ganz und gar ihren marktschreierischen Charakter angenommen; dort liest man: ״Staunend billige Preise", und hier: ״Staunend hohe Gehalte"; hier wie dort folgt dem Staunen die Täuschung, und der arme Kandidat überzeugt sich nur zu bald und doch trop tard, daß er aus dem Regen in die Traufe gegangen. Er hat, trotzdem er durch den Tausch eine auf 2 bis 300 fl. sich belaufende Gehaltserhöhung erzielte, einen schlechten Tausch gemacht. So unmöglich das scheint, so wahr und natürlich ist es. Man denke sich nämlich einen Rabbiner mit einem Gehalte von 200 Gulden — eine schwere Aufgabe, bei den gesteigerten Bedürfnissen und theuern Lebensmitteln, eine wenn auch nicht zahlreiche Familie anständig zu ernähren, die Kinder zeitgemäß zn erziehen, und selbst nicht hinter den Anforderungen der Zeit zurückzubleiben, also nur einigermaßen mit den neueren Literaturerscheinungen auf dem Fachgebiete sich bekannt zu machen. Sehnsüchtig spähen seine Augen nach Verbesserung seiner traurigen Lage, und sieh' da, ein heilverkündendes Zeitnngsblatt bietet ihm einen Posten mit 500 Gulden firen Gehalt, nebst üblichen Emolumenten — 200 oder 500 si. — Sein oder Nichtsein! Was giebt's da zu bedenken? Schreibzeug her! — In weniger als einer Stunde ist das Gesuch geschrieben und der Post übergeben, und ehe eine Woche vergeht, ist der Ueberglücküche zu einer Probepredigt, versteht sich auf eigene Kosten, eingeladen. Er geht, predigt und siegt — wer beschreibt seinen Jubel? 500 Gulden fir und Emolumente! — Jezt nur keine Zeit verlieren; den nächsten Sabbat wird gekündigt, den darauffolgenden die Antrittspredigt gehalten. Die Kündigung, der Abschied, der Einzug — Alles geht anstandslos vor sich; die Acquisition hätte von drei Seiten nicht glücklicher ausfallen können. Am ersten Bon-Cbananja 1859. III. 9