Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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121 — und den Vornehmen unter ihnen Umgang mit den höhern Ständen des Landes. Schade nur, daß ihr ״Orientalismns" auch noch andere orientalische Gebräuche und Sitten mit sich führt, die sie für den Eintritt in den Kreis moderner Bestrebungen und Refornien im bessern Sinne wett weniger empfänglich machen, als die westeuropäischen Israeliten übcrhanpt, und selbst die dortigen polnisch-deutschen Israeliten. Doch hieße es, etwas psychologisch Unmögliches verlangen, wenn man von ihnen verlangen wollte, daß sie eben nur das Gute ans dem Orientalismns, mit dem sie Jahrhunderte in Berührung waren, sich hätten aneignen sollen. Es liegt hier vielmehr ein neuer Beweis vor Augen, daß der jüdische Stamm bei aller innern Lebenskraft, die ihm inhärirt, und wodurch er wie jene mächtigen Rieseu-Stämme aus der Pflanzenwelt in allen Klimaten ausdauert und ercessiven feindlichen Einflüssen der Außenweit siegreich widersteht, dennoch diese Einflüsse nicht ganz von sich weiset (das wäre ja gegen das Gesetz des Lebens), sondern sie vielmehr in sein Inneres anfnimmt, in sich verarbeitet, sie assimilirt, und daraus eben seine« cigenthümlichen, lokalverschiedenen Varietäten-Typen konstrnirt. So entstehen geografische Varietäten einer und derselben Spezies in 'der Pflanzen-, so auch in der Menschenweit, und so auch innerhalb der Sphäre unseres eigenen Stammes. Es ist also ungereimt, heim polnischen Inden z. B., der Jahrhunderte lang mit einem lebhaften, geistreichen, aber eben nicht charakterfesten und ordnungsliebende» Sarmatenvolke (den Polen) zusammen gelebt hat, die Verstandesschärfe und geistige Regsamkeit und Frische zu loben, ihm aber zugleich seinen Mangel an ästhetischem Sinn, Ordnungsliebe und Charakterfestigkeit, die dem germanischen Stamme eigen zu sein scheinen, vorzuwerfen. Eben so ungereimt wäre es, vom orientalischen Juden Anderes zu verlangen, als daß er ganz Orientale sei, mit seiner klassischen, ich möchte sagen plastischeu Ruhe und Würde, seiner patriarchalischen Gastfreundlichkeit und Redlichkeit, aber auch mit seiner geistigen Trägheit, Beschränktheit und Indolenz. Die Tracht der Spagnolen (so nennt man hier die spanischportugiesischen Juden) war ursprünglich die türkische, später jedoch hat sie mehrere Modifikationen angenommen, die sie der früheren