Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 112 so daß die Rabbinen und Gemeindevorstände eigene Verbote gegen diesen Aufwand ergehen ließen. In Frankfurt am Äain geschah dies noch im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts. Es giebt aber nicht wenige Gemeinden, wo noch vor 40—50 Jahren alle Familien- Väter beim festlichen Gottesdienste in Talar und Barett erschienen. Diese Sitte hat allerdings etwas Seltsames. Wie kommen Laien, so könnte man fragen, ans den sonderbaren Gedanken, in geistlichem Gewände aufzutreten? — Der Grund dieser Seltsamkeit liegt aber in dem ganzen Entwickelungsgange des Judenthums im Mittelalter. Die Methode des Thalmudstudiums brachte es mit sich, daß die religiösen Observanten sich vermehrten. Ursprünglich wurden dieselben allerdings nur von den Schriftgelehrten beobachtet; es lag aber im Geiste der Zeit, daß das ungelehrte Volk hierin nicht hinter den Schriftgclehrten Zurückbleiben.wollte. Da nun die Rabbinen, auch nachdem sie besoldet wurden, nicht sowol kraft ihres Amtes, sondern in ihrer Eigenschaft als Schriftgelehrte nach den Forderungen des Thalmuds in einem besonder» Anzuge erschienen; und da es in jeder bedeutenden! Gemeinde eine größere oder geringere Zahl nicht beamteter Schristgelehrten gab, die natürlich dasselbe thaten: so wollten ihnen auch die Ungelehrten nicht nachstehen. Sie legten den Talar in dem frommen Glauben an, daß sie damit ein Religionsgebot erfüllten. Erst als in neuerer Zeit die Laien gänzlich auf das geistliche Kostüm verzichteten, trat der ursprüngliche thalmudische Unterschied zwischen der Tracht der Rabbinen und der der Nichtrabbinen wieder hervor. Derselbe Verlauf ist, wie in Deutschland, auch in Ungarn zu bemerken. Im Mittelalter erschienen die Laien wie die Rabbinen beim Gottesdienste und bei feierlichen Aufzügen in einem besonderen Kostüm. Als der König Matthias Korvin mit seiner Braut, der Prinzessin Beatrir von Neapel, am 22. Dezbr. 1476 in Ofen einzog und auch von den Juden ans die glänzendste Weise empfangen wurde, trugen dieselben, wie ein zuverlässiger Augenzeuge berichtet, sämmtltch ein Efod auf dem Haupte 52), 5‘2) Regis Rung. Matthiae nuptiae etc. a Palatini Comitis Leg. descr. apud Schwandtner script. rerum Rung. T. I. pag. 523.