Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543098--0728-2544414- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 111 — düng ausgebeutet werden; aber,die Rabbinen selbst geriethen durch den Einfluß des Lebens und ihrer Umgebung mit dem Buchstaben ihrer eigenen Satzungen in Kollision! Hätte unter der Ungunst der Zeiten das Studium der Archäologie in Aufnahme kommen können, so würde sich ohne Zweifel auch die Theorie in einer mildern Richtung entwickelt haben. Die Erfahrung hätte die Rabbinen gelehrt, daß die Kleiderabsonderung immer nur Sache der Schule, niemals Sache des Lebens war. In Folge der durchgreifenden Kleideränderung bei den Juden in Europa gewannen die Rabbinen in den verschiedenen eüropäischen Ländern außerhalb des Gottesdienstes ein mehr laienhaftes, die Laien hingegen beim Gottesdienste ein mehr geistliches Anssehen. Erstere erschienen außerhalb der Synagoge nicht mehr wie früher im viereckigen mit Schaufäden versehenen Mantel und auch nicht mit Phylakterien an Stirne und linkem Arm. Beim Gottesdienste und Gebete aber bedienten sich auch die Laien dieser beiden Stücke 50). Ja beim öffentlichen Gottesdienste, namentlich an Sabbaten und Festtagen trugen alle verheirateten Gemeindeglieder in den meisten Synagogen einen schwarzen weiten Talar, mit schwär- Zem oder weißem Kragen, weißen Bäffchen und einem Barette. Oft hing über dem Talare auf dem Rücken noch ein breiter Mantelstreisen, welcher vorn am Halse durch Bänder zusammengehalten wurde. Und obwol auch hierin keine vollkommene Gleichförmigkeit herrschte, so war doch eine besondere Kleidung für den öffentlichen Gottesdienst in den meisten Synagogen üblich. Im Allgemeinen herrschte das Prinzip, daß der Anstand in der Synagoge dieselbe Kleidung fördere, in welcher man vor hochgestellten Personen zu erscheinen pflegt, weshalb noch im fünfzehnten Jahrhundert die Synagogenbesucher nur in Schuhen, nicht aber in Stiefeln erscheinen durftensa). Doch betrat man niemals unbedeckten Hauptes das Gotteshaus. In manchen wohlhabenden Gemeinden wurden zu den gottesdienstlichen Feiergewändern kostbare Stoffe verwendet, 5,) Daher denn auch der mit Schaufäden versehene Ueberwurf (Tätlich) von christlichen Schriftstellern Betmantel genannt wurde. 51) R. Abrah. Gumbingen im Mag. Abr. O. Chajj. 91, S.