Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 3 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 — 2. Thalmudische Bestimmungen und Nachrichten. Wenn weder in dem mosaischen Gesetze, noch in den übrigen heiligen Schriften Jsrael's eine direkte Vorschrift für die Amtskleidnng der Rabbinen zu finden ist, so kann dies nicht befremden. Zur Zeit der Entstehung der heiligen Religtonsurkunden war der Rabbinerstand noch gar nicht vorhanden. In den lezten Jahrhunderten der biblischen Zeit bildete sich allerdings immer mehr die eigentliche Schriftgelehrsamkeit ans. Aber die vorhandenen Nachrichten über die alten Schristgelehrten (Soferim) sind so spärlich, daß es nicht auffallen kann, wenn die Alterthumskunde über ihre Tracht keinen Aufschluß zu geben vermag. Da indeß die heutigen Rabbinen Kultusbeamte sind, und das Recht und die Pflicht haben, die jüdischen Gemeinden mit den Lehren, Forderungen und Ver- Heißungen der Religion Israels bekannt zu machen; da die Rabbinen in der österreichischen Monarchie in mehr denn einer Beziehung auch durch die Landesgesetze und daher auch von den k. k. Behörden als Seelsorger der jüdischen Kultnsgemeinden anerkannt werden: so wird die Vcrtheidigung einer rabbinischen Amtstracht wol kaum einer unkritischen Uebereilung gezeiht werden können, wenn sie sich auf biblischem Standpunkte aus das Beispiel der vorgeschriebeneu Priestertracht und noch nachdrücklicher auf das des nicht vorgeschriebenen Leviten- und Profetenkostüms beruft. Viel sicherer ist der Boden, welchen der Thalmud der Rechtsertigung der rabbinischen Amtökleidung bietet, indem die einschlägigen thalmudischen Bestimmungen und Nachrichten unmittelbar Rabbinen betreffen. Hier wird also nicht mehr von einer nähern oder entferntern Analogie, sondern von direkter Anwendung gegebener Vorschriften die Rede sein. Die Erforschung der hieher gehörigen Spezialitäten ist allerdings mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden. Zu einer wissenschaftlichen, thalmudischen Archäologie sind nur einige Vorarbeiten vorhanden. Es müssen daher die Quellen selbst zu Rathe gezogen werden, was bei der Beschaffenheit des Thalmuds, in welchem oft die heterogensten Materien lose an einander gereiht werden, eine nicht leicht zu lösende Aufgabe ist. Folgende Andeutungen