Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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— 94 — Veredlung des Gemüthes berechnet sind, sich hiezu nicht eignen, ist jedem praktischen Lehrer bekannt. Ein Lesebuch für die obern Klassen der Elementarnnd Bürgerschulen muß ferner dem Schüler Stoff bieten zur Bereicherung der Sachkenntnisse, und dem Lehrer einen Anhaltspunkt gewähren beim Unterricht in den Realien. Das praktische Leben ist es ja, für welches die Elementar- und Bürgerschule vorzubereiten hat. Ein deutsches Lesebuch für die obern Klaffen gehobener Elementar- und Bürgerschulen (wenn auch israelitischer) soll endlich den Schüler Ln die Halten der deutschen klassischen Literatur einführen. Oder, ist diese nicht auch vorzüglich geeignet zur Bildung des Geistes und zur Veredlung des Gemüthes? Wie viele treten aus der Elementar- oder Bürgerschule unmittelbar in's bürgerliche Leben über; ist es nicht Psticht der Schule, diesen den Sinn und Geschmack für eine veredlende Lektüre als Wegzehrung mitzugeben? Oder, glaubt Hr. I., daß seine ״Rimonim" hiezu ansreichen? Der zum Jüngling herangereifte Schüler wird denn doch dann itnfc wann ein Buch zur Hand nehmen, nnd was wird ihn da. am meisten ansprechen, wenn ihm der Sinn für das Bessere fehlt? — Aller Wahrscheinlichkeit nach ein Herz und Gemüth korumpirender französischer Roman. Und dem Schüler, der aus der Elementar- oder Bürgerschule in eine höhere Schule. Übertritt, wird diesem einige Kenntniß der deutschen klassischen Schriften nicht auch zu Gute kommen? Die Schule wird ferner von einem Lesebuche, welches für dieselbe bestimmt ist, vor Allem fordern, daß die in demselben aufgenommenen Lesestücke dem Bildungsgrade der Schüler entsprechen, nnd daß nichts darin vorkommt, was über ihren Horizont hinausgeht. Daß dieses in der vorliegenden Sammlung nicht der Fall ist, wird jeder Lehrer schon bei einem flüchtigen Ueberblicke derselben wahrnehmen. Hr. I. meint freilich nach den Grundsätzen der Pädagogik, ״daß der Zögling an dem Unerstiegenen seine Kraft üben und steigern lernen soll". Wenn aber das Unerstiegene für den Zögling gar nicht zu ersteigen ist? — Hr. I. kennt ja auch die Grundsätze der Pädagogik, daß man vom Leichtern zum Schwerer» fortschreiteu soll, daß die Kraft des Schülers erst am Leichtern erstarken soll, bevor man zum Schwerer» übergeht. Ich stelle nicht in Abrede, daß das fragliche Lesebuch viele gute Stücke enthält, dafür sind schon die Namen der Verfasser Bürge, deren trefflichen Schriften Hr. I. die Lesestücke entnommen hat; doch mögen diese Herren bei der Abfassung ihrer Schriften am wenigsten an den Kreis der Jugend gedacht haben, für welchen Hr. I. sein Lesebuch bestimmt hat. Es möge mir nur erlaubt sein, noch einiges über die einzelnen Abschnitte zu bemerken. Die den ersten Abschnitt bildenden Betrachtungen ״über das Leben der Patriarchen", von Sommerfeld, sind wol recht gut nnd schön und die Sprache derselbe eine gediegene (wenn auch für Schüler der Elementar- und Bürger-