Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 91 (sequence 43)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543097--0707-2544392
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 91 — junger Mann und ein Schüler Hirsch's, wollte hier ein Gutachten über seine rabb. Kenntnisse holen. Allein ein bereits fnngirender Rabbiner sollte nur Sorge tragen, daß ihm seine Gemeindeglieder gut achten. H. fc St. Ujhely, am 9. Jänner 1859. Hier im Norden, unseres Landes, wohin die Karpaten ihre gastlichen Arme, das rebenbeladene Hegyalja-Gebirge, südwärts ansbreiten, liegt am Fuße des Sütor der sreundliche Markt St. Ujhely, der eine beinahe 500 Familien starke jüdische Gemeinde Ln sich birgt. In diese hat die h. Negierung die israel. Musterhanptschule für das Kaschauer Verwaltungsgebiet — nunmehr die zweite in diesem Lande — verlegt. Warum dahin? Weil die Gemeinde aus dem Kästenbaum'schen Vermächtnisse seit 20 Jahren einen Fond von vierzig tausend Gulden C. M. und ein bequemes Schulgebäude, aus 11 Zimmern nebst einem geräumigen Hofe und Garten bestehend, überdieß auch etwa 500 schulpflichtige Kinder aufzuweisen hat. Wir gratulieren nun dieser Gemeinde vollen Herzens und wünschen ihr, von diesem, durch die gränzenlose Huld unserer h. Regierung ihr gewordenen köstlichen Geschenke, einen dieser heiligen Gabe würdigen Gebrauch zu machen. Wir sprechen diesen Wunsch mit um so größerem Rechte aus, als uns diese Gemeinde und alle ihre innigsten Verhältnisse genau bekannt sind. Hier stehen die Parteien so schroff einander gegenüber, daß, so lange in der heute, gottlob nimmer so dicht geschloffenen Phalanr jener sogenannten Leute, der Rabbiner in Donner und Sturm gehüllt als schonungsloser Vorkämpfer erscheint, eine gegenseitige Annäherung kaum zu erwarten steht. — Dieser unseligen Wirren wegen mußten seit drei Jahren alle Gemeinde-Jnstitute, und unter diesen besonders die Schule leiden, so daß diese sogar ihren leitenden Lehrer, den anerkannten Schulmann Hrn. S. Deutsch, der sich vor einem Jahre aus purer Friedliebe freiwillig entfernte, zum Bedauern der Gemeinde verlor. — Daß übrigens die Schule, mag sie noch so gut bestellt sein, mehr Feinde als Anhänger in der Gemeinde zählt, beweist die verhältnißmäßig geringe Zahl der schulbesuchenden Kinder, und diese Feinde sind es aus Grundsatz, aus Fanatismus — daher unbeugsam. -7- Als Kuriosum möge folgende Thatsache hier ihren Platz finden: Ein sogenannter המדרש - Mann (also nicht הסיד) schickte, in Folge des angewandten Schulzwanges, sein Söhnlein, das sonst die N"N- Schule besuchte, auf 2 Stunden täglich in die Schule; wünschte aber, daß es da beileibe nichts als taatsch schreiben lerne; indessen traf es sich, daß in den ersten Nisan-Tagen, vom Stundenpläne etwas abweichend, das Uebcrsetzen der ר,גדה vorgenommen wurde; der Knabe sagte nun dem Vater einige erlernte Sätze mit rein deutscher Uebersetzung auf. Hierüber entrüstet, verbot er es dem Kinde, wieder so etwas zuzuhören, denn, meint er: ״das Kind verdirbt sich das Loschen!" Es wird daher vieler Energie bedürfen, um auch nur einen Theil der gegen die Schule gehegten Antipathien zu bekämpfen. Die in Szcklt6 seit mehreren Jahren schon kreirte, aber nur in der Idee bestandene 3-klassige Schule ist Heuer reorganisirt worden. Der wackere

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.