Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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— 90 — mit deinem Nächsten, aber eines Fremden Geheimniß enthülle nicht". (Sp. 25, 8. S). ' Lorre8j>mdenz. Lißka*), Jänner 1859. Das hiesige Chaßidäerhaupt Herschele ist bei Weitem noch nicht an den Endpunkt seiner Glorie gelangt; sein Ruf ist ein Magnet, der Chaßidim von eiserner Konsequenz anzieht. Vor einigen Tagen langten hier unter Anderen drei Fremde an: ein Rabbiner, ein Kultusgemeindevorsteher und ein Privatier. Sie kamen aus Zenta. Da ich diesen mir unbekannten Ort ans den Karten von Rußland, Galizien und Oberungarn — als von woher gewöhnlich die Supplikanten hieher strömen— vergebens suchte: nahm ich ein geografisches Lerikon zur Hand, woraus ich mich belehrte: Zenta liege an der Theiß und noch dazu nicht fern vom Ben-Chananja! Daß nun unser Balschem auch in einer Gegend Anerkennung findet, wo der ״Rebbe" dem Lehrer und das Ch eder der Schule weichen mußte; wo der Almemor verrükt ist und die Balbatim nicht verrükt find; wo Finsterniß zu den עשר מכות gezählt wird; wo die Bewegtheit des Herzens und nicht die Bewegung der Hände und Beine Erforderniß bei dem Gebete ist: diese Vorstellung entzückt mich nach Maßgabe der hohen Meinung, die ich von der Wunderkrast des R. Herschele hege. Der Eine von den Begleitern des frommen Rabbi zu Zenta kam, um ein Amulet für seine kinderlose Frau zu holen; der Zweite begnügt sich mit den: Segen des hiesigen Zaddik. Der gute Rabbi selber, sagt man, sei hergereist, damit die ״fromme" Partei in seiner Gemeinde glaube, daß auch er ein Chaßid sei. Das glaube ich aber nicht; denn alsdann wäre es ja zweckmäßiger gewesen, die fromme Partei herznschicken, damit sie sich erkundige. R. Herschele weiß ja über Alles Auskunft zu geben! Andere behaupten, der Zentaer Rabbi, ein *) Ein Städtchen im nördlichen Ungarn am Bodrog im ZemMner Komitat, Hegyalyaer oder Tokayer Bezirk. Die Bevölkerung beläuft sich ungeführ aus 2000 Seelen, deren Mehrheit sich zur resormirten Kirche bekennet. Die herrschende Sprache ist die ungarische. Die jüdischen Einwohner bilden ungefähr den zehnten Theil der gesummten Bevölkerung. Das Städtchen ist von Saatfeldern, Weingärten, Rohrwiesen und Waldung umgeben. Der Wein ist von ganz vorzüglicher Qualität. An Trinkwaffer pflegt daselbst Mangel zu sein. Die ursprünglichen Einwohner waren Italiener, die unter Bela IV. (1235—1270) — welcher am 5. Dezember 1251 die jüdischen Verhältnisse auf eine für jene Zeit sehr freisinnige Weise ordnete — eingewandert waren, weshalb auch das Oertchen Italienisch- Lißka (Olaß Lißka) genannt wird. Die Reise dahin kann sowol auf der Theiß (bis Tokay), als auch aus der Eisenbahn (bis Debreczin» znrückgelegt werden. Dies zur Auskunft über ein Oertchen, wohin so zahlreiche Wallfahrten stattfinden, und wo sich ein Jünger der Romantik einem Meister des Chassidismus zu Füßen warf. tted.