Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 88

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 88 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543097--0704-2544389
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 88 — versichere Sie, Herr Rabbi! ich habe mich seit sechzig Jahren im Lager unserer Orthodoxen viel umgesehen, und die betrübende Bemerkung gemacht, daß diejenigen, welche ihre Augen ״hermetisch schließen" häufig einsichtiger und nmgänglicher sind, als Jene, die mit offenen Augen nichts sehen wollen. Wer in Ihrer Brochüre den ersten 22'/;-zeitigen Satz liest, der erkennt gleich die Mache als eine Fehlgeburt; und am Schluffe ruft man unwillkürlich über Ihr Opus aus: טוב שלא נברא משנברא! L. Horowitz. Zugabe -er Redaktion. Gteichwol erlaube ich mir, den in Rede stehenden offenen Brief den Lesern des B.-Ch. angelegentlich zu empfehlen. Es sind ganz außerordentliche Dinge daraus zu lernen. Die Behauptung, daß die ganze altgriechische Literatur von Homer und Hesiod bis Plato und Aristoteles unwiderbringlich uutergegangen ist (S. ll), werden gebildete Leser sicherlich sehr originel finden. Hr. G. will aber hierin nicht für originel gelten; vielmehr beruft er sich auf Maimonides und Bertinoro (S. I. Jahrg. S. 253)! Origineler ist der S. 9 zum Besten gegebene Unsinn, den ich nicht zu zitiren wage. Grammatik und Logik bitten Hrn. G. siehentlich um Schonung. Umsonst! Der streitlustige Epistolograf tritt ihre heiligsten Rechte mit Füßen — ohne Erbarmen! Und nun erst die thalmudische Gelehrsamkeit! Der Vers, versichert, daß er dem ״Thalmud knieend hnldige"! Lieber Hr. Rabbiner! Das Knieen ist wirklich ganz nuuöthig, und statt dem Thalmud mit frommen Phrasen zu huldigen, widmen Sie demselben lieber ein gründlicheres Studium. Sie werden dann ohne Zweifel einsehen. daß das, was ich über die zur Erinnerung, aber nicht znm Gerüche gepstückte Blume gesagt habe (1. Jahrg. S. 436) seine volle Richtigkeit hat. Sie werden sich belehren, daß manche rabbanitische Verbote (״ (אסוריםsich mit der Zone wenden" (Z. B. I. Dea 298, b), und daß Sie sich, wäre dies nicht der Falt, am Sabbate kann! mehr denn zweimal am Ofen wärmen dürften (O. CH. 276 und B. Het. das.). Sie werden ferner bekennen, daß durch Abravqnel's Raisonnement ein halachischer Ausspruch des Thalmuds nicht entkräftet wird. Sie werden endlich tief bereuen, über חרש und קטן ein so eitles, nichtssagendes Gerede zu Markte gebracht zu haben. Schlagen Sie doch Gittin 64, b nach und werfen Sie einen Blick aus die tosafistischen Bemerkungen daselbst! Nehmen Sie den Choschen Mispat zur Hand und lesen Sie im S. Kohm 248, 6: להדיא דאיכא יר לקטן N2W וא״ב מדאורייתא. Was halten Sie nun von Ihrer psychologischen Betrachtung über die ״Minorenität" (S. 13)? Daß Sie den Unterschied zwischen unmünbig und minorenn nicht kennen, will ich Ihnen gerne verzeihen. Daß Sie sich nicht auf Sabb. 153, a berufen, will ich Ihnen ebenfalls nicht anrechneu. Aber warum wissen Sie, der Sie dem Thalmud knieend huldigen,' nichts von dem Unterschiede, den gerade der Thalmnd und die PMim zwischen mehr und minder begabten Kindern statuiren? Ihre Art zu argunieutiren ist ja dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.