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Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 86 (sequence 38)
Language
German
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86 —- unter seinen Amtsgenoffen zu beklagen. Sein Stand ist ohne Bestand, sein Sitz ohne Besitz, sein Titel ohne Mittel: eine Ehrwürden , die weder geehrt noch gewürdigt wird. Er steht nicht, wie es der Wille unseres göttlichen Moscheh war, über der Gemeinde על העדה, sondern in jeder Beziehung unter derselben mjjft NNN. Er steht nicht an der Spitze, sondern auf der Spitze, d. h. auf Dornen! Wo, wie in Ungarn und Mähren, große Gemeinden sind, und die Pietät für den Lehrer und Vertreter der Religion noch nicht ganz erloschen ist; wo die Macht der materiellen Interessen die der Höhen! noch nicht ganz aus dem Felde geschlagen, und die Aristokratie des Wissens und der Zntelligenz von der des Goldes noch nicht ganz vom Brett geschoben ist, — da findet der Rabbiner sür die drückende Abhängigkeit, für die vielfachen Krankungen unb Neckereien, denen er nnansgesezt ansgesezt ist, doch Ersatz in dem Bewußtsein: dafür habe ich eine E.ristenz! Ich habe bittere Berufssorgen, aber keine bittere Nahrungssorgen, sür das Dulden tilge ich meine Schulden, mit meinem Kummer bezahle ich meiner Kinder Schlummer. Ganz anders verhält sich's in Böhmen, das fast aus lauter winzig kleinen Gemeinden von 20 bis 50 israel. Familien besteht, wo man den Rabbiner als ein nothwendiges Nebel betrachtet und es daher sür eine Thorheit Hält, sich um sein Wohl zu kümmern. Man muß ihn haben, aber er muß nichts haben. Unter den 400 jüdischen Gemeinden, welche Böhmen zählt, sind höchstens 10. die ihre Rabbiner als solche erhalten können; alle übrigen müssen entweder als Schächter oder Lehrer ihr kümmerliches Dasein fristen, oder — darben. Daß bei solchen trüben Aussichten Talent und Fähigkeit sich immer mehr vom Rabbineramte znrückziehen müssen, um geebnetere Bahnen zu betreten, ist nicht zu bezweifeln. Und da nach dem Spruch: דור לסי מנהיג Religionsvorsteher und Religion, Rabbiner und Judenthum in einer unzertrennlichen Wechselwirkung zu einander stehen, und Erstere auf das Gedeihen wie auf den Verfall des Leztern von entscheidendem Einflüsse sind, so folgt daraus, daß die überhand nehmende Verkommenheit des Rabbinates in Böhmen die Verkommenheit der Gemeinde und ihrer Anstalten zur nothwendigen Folge haben muß. Indem wir nun in den folgenden Kapiteln ein wahrheitsgetreues Bild von der bedauernswerthen Stellung der. böhmischen Rabbinen entwerfen wollen, find wir weit entfernt, als Ankläger gegen die böhmisch-jüdischen Gemeinden aufzutreten. Wir erheben unsere Stimme in der Ueberzeugung, daß durch die Verheimlichung oder Beschönigung eines so tief wurzelnden und weittragenden Uebels, dasselbe um so unheilbarer und bösartiger wird. Wir glauben durch dessen Bloslegung der Ehre unserer geliebten Glanbensbrüder nicht nur nicht nahe zu treten, sondern ihnen, wie der heiligen Sache unseres Glanbens, den besten Dienst zu erweisen. (Fortsetzung folgt.)

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