Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 85 — lernte das Kind zum Manne reifen; diese Angewöhnung in früher Jugend bewahrte den Schüler vor geistige Stagnation und lehrte ihn, nicht sobald vor einer Höhe zurückzuschrecken, zeigte dem Schüler nicht affet» den anstrengenden Weg zur Wissenschaft muthig gehen, sondern half ihm oft des Lebens dornenvolle Pfade muthig wandeln. So oft der gereifte Mann mit einem Mißgeschicke zu kämpfen hatte, und ein gewünschtes Ziel nur mit Schweiß und Mühe zu erlangen war — und was mußte der Jude nicht mit Schweiß und Mühe erlangen? — da erinnerte er sich des in der Schule so geläufig gewordenen Wortes: duk wetischkach, denk' nur nach und du wirst schon finden, oder: wejesch Lejaschew bedauchek, in der Noth mußt du es so hinnehmen, Wolgemerkt, m. H., ich spreche durchaus nicht denjenigen alten Lehrern das Wort, welche die Natur des Kindes auf eine schwindelnde Höhe schraubten und mit scharfsinnigen Haarspaltereien den Geist auf die logischste Weise unlogisch denken lehrten; ich will durchaus nicht für einen Unterricht stimmen, der dein Kinde zeigt, wie man durch Verdrehung und Sophisterei das Reine unrein und das Unreine rein machen könne; aber ich bin für jene Erziehungsweise, die in jüdischen Schulen so heimisch war und ihr den eigentlichen Stempel aufdrückte: ich meine diejenige Methode, die das Kind daran gewohnte, sich bei jeder Antwort nicht sogleich zu beruhigen, sondern weiter nachzudenken, ob denn durch die Antwort die Frage auch wahrhaft beseitiget, ob denn auch wirklich sonst nichts auffallend sei. Ich fürchte bei dem heutigen Standpunkte der Lehrer nicht, daß sie sich die Tendenz des alten Unterrichtes aneignen und zu Gunsten des Scharfsinnes jede andere Anlage des menschlichen Geistes, namentlich die ästhetische, vernachläßigen werden; unsere Lehrer können heute genug Realien bieten, und werden sich in keine Hirngespinnste verlieren. Nur wenn wir diesem guten Theile der alten Methode folgen und unfern Schülern nicht immer Fertiges zeigen, sondern, wie etwa Rabbi Jochanan ben Sackai, Denkaufgaben geben, wird am besten den in unfern modernen Schulen so üppig wuchernden M׳ar6 ad vocem magistri entgegen gearbeitet werden. Ich begnüge mich heute mit der bloßen Andeutung, fordere Sie aber, m. H., auf, darüber uachzudenken, wie wir in unserer Schule beim Unterrichte der besprochenen alten Weise Rechnung tragen und das aide toi et 16 6161 t'aidera bei keiner Gelegenheit aus dem Auge lassen können. DieNabbiner in Löhmen. L)on ***jj Einleitung. Wenn der Stand des jüdischen Geistlichen schon an sich zu den mühe-, sorgen- und dornenvollsten gehört, so ist unstreitig der des böhmischen Rabbiner: der Bodensatz im Leidenskelch! Der Rabbiner in Böhmen ist als der Paria