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Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 84

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 84 (sequence 36)
Language
German
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— 84 — welche heute als Sterne erster Größe am Horizonte des Judenthumes glänzen, haben an Schilter's Tragödien buchstabiren gelernt. -- Vergleichen Sie aber den geistigen Standpunkt eines das Cheder verlassenden mit dem eines aus unserer Hauptschule tretenden Kindes; welche Armuth ans der einen und welche Fülle ans der andern Seite! Was hat das Kind, das aus dem Cheder kam, von den Dingen um ihn her gewußt? Was waren seine Kenntnisse aus der Geografie mehr als der Unterschied zwischen Erez Iisroel und Chuza laarez; aus der Naturkunde etwa nur der noch sehr problematische Lehrsatz Kol Beza demisjalda Huidna meesmol gomra loh; alte Bäume, die ihm nicht ein gutes Obst zur Vesper brachten, waren ihm Jlone serak. So viel ans der Botanik. Nicht allein, daß seine Begriffe über die Natur nur dunkel waren, wußte es ja nicht einmal sein eigenes Wünschen und Wollen in irgend einer Sprache rein und fehlerlos darzustellen. Sehen Sie anderseits ein Kind, welches unsere Schule verläßt. Es wird ihm nicht allein ein Sprachschatz mitgegeben, sondern es bringt auch geklärte Vorstellungen, geläuterte Begriffe mit in's Leben und auch manches Wissen aus dem Gebiete der Natur- und Völkerkunde. Wie kommt es nun, daß die so wenig unterrichteten, von Seite der Erziehung mehr als stiefmütterlich behandelten Kinder so viel Kraft und Muth in sich fanden, alles aus sich zu machen, während unsere Kinder alsbald die Hände in den Scheoß legen und lieber zn einer unterhaltenden, in süßen Schlummer lullenden Lektüre, als zu einem ernsten, anstrengenden Fleiß fordernden, Wissenschaftlichen Buche greifen möchten? Wollen Sie, m. H., meine Meinung darüber hören, so sage ich Ihnen unumwunden: Der Unterricht im Cheder hat den Funken gezündet, der dann zur Hellen Flamme aufloderte, und die Methode des Nebe war der Stab, der aus hartem Felsen die Labequelle schlug. Nicht das Quantum allein im Unterrichte Hilst den! Kinde auf die Beine, soudern das Quäle. Es war ganz gleichgültig, ob der Lehrer die Traktate über Mein und Dein, oder über das berüchtigte Ei, oder gar über die Opfer vortrug? welche vor 18 Jahrhunderten auf dem Altäre brannten; die Art und Weise, wie er seinen Gegenstand vortrug, das verhalf zur Selbstständigkeit. Der Lehrer war vorerst unaufhörlich bemüht, sich selbst dem Kinde entbehrlich zu machen und ihm den Weg zu zeigen, wie es den Thalmud ohne Lehrer verstehen könne. Er gab dem Schüler die Anleitung dazu, im weiten Ozean des Thalmuds mit dem einen Kompaß, dem Kommentar Raschi in der Hand, immer vorwärts ohne Hülfe eines Andern zu steuern, er suchte weiter vom Kinde alles Hinuehmen auf Autorität zu entfernen, und ließ daher durch immerwähreudes Fragen, durch fortgeseztes Aufbauen und Einreißen (und sollte es auch dem künstlich angelegten Gebäude des größten der Bale Tosephot, des Rabbeun Tam gelten) den Geist des Zöglings nicht so bald zu Rühe kommen. Solches Neflektiren wurde als Ferment iü den Kopf des Kindes geworfen, welches eine geistige Gährung nothwendig Hervorbringen mußte. Dazu stellte auch der Lehrer mit dem Schüler täglich 1—2-stündige Experimente an, er ließ ihn selbst lesen vulgo leienen. Hier in dieser Schule der Selbstthätigkeit

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