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Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 77

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Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 77 (sequence 29)
Language
German
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— 77 — Der Jude findet nur im Religiösen seine wahre Beruhigung und Befriedigung. Seine Volkslieder wurzeln ans diesem Boden und tragen ein ernfies Gepräge in fich. Selbst das joviale, scherzhafte CH. G. hat eine sittliche Grundlage, indem es den religiösen Gedanken von dem göttlichen Walten der göttlichen Vorsehung veranschaulichen will und hierin unterscheiden sich charakteristisch diese Lieder von allen ähnlichen Gesängen. Wir bedauern, daß wir über das mitgetheilte Gedicht, das wahrscheinlich aus dem Altdeutschen übersezt ist, keine nähere Auskunft geben können, da uns das Merkchen: ״Dichtungen aus der Kinderwelt" nicht zugänglich ist. Es wäre daher interessant, wenn ein Leser oder Mitarbeiter dieser Zeitschrift die Quelle genauer angeben würde. Daß diesem Liede allseitig eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde, haben wir bereits oben bemerkt und wir geben hier eine Merkwürdige Probe einer historischen Auslegung, die Bodenschatz, kirchliche Verfassung der heutigen Juden, Erlangen 1748, Sect. VIII, S. 312, mittheilt. ,,Dieses Lied u. s. w.", heißt es daselbst, ״wird von den Juden sehr hoch gehalten, weil hinter demselben großes Geheimniß stecken soll". P. N. Lebrecht, ein Konversus aus dem Judenthume, hat das Geheimniß entdeckt in seinem Traktätlein: ״Ein Zigklein, ein Zigklein, d. i. ein merkwürdiges Räthsel, herausgenommen aus der jüdischen Osterliturgie, welches in fich begreift die Begebenheiten und Schicksale des jüdischen Volkes, welche fie vom Ausgange Egypti bis auf die Zukunft ihres noch täglich erwartenden Mesfiä betroffen. Leipzig 1731". Bodenschatz giebt einen unklaren 7 Quartseiten starken Auszug aus dieser Schrift, der natürlich viel zu weitläufig und ungenießbar ist, um demselben hier einen Raum zu gestatten. Wir resumiren daher in möglichster Kürze den Inhalt und fügen bloß zum bessern Verständniß einige Parallelstellen aus der Bibel hinzu, auf die Bodenschatz keine Rücksicht genommen. Die Worte des Profeten *): ״Ein zersprengtes Lämmchen ist Israel, das Löwen jagen. Der erste fraß es der König von Aschur, und dieser, der Lezte, zermalmte ihm die Knochen, Nebuchadnezar, König von Babel. Darum spricht der Ewige der Heerschaaren, Gott Israels: Siehe, ich ahnde an dem König von Babel und an seinem Lande, wie ich geahndet an dem König von Aschur", bilden gleichsam das Motto zu unserm Volksliede (Jer. 50, 111). Das Lämmchen oder Zigklein ist das Volk Israel, das^ der Ewige durch die Erlösung aus Egypten sich zu seinem Volke erwählt und erkoren hat. Die zwei Suse bezeichnen Moses und Aron. Allein Israel erfreute sich nicht lange seines Glückes und der Besitz des verheißenen Landes wurde ihm, wenige glückliche Perioden abgerechnet, stets von den benachbarten Völkern verleidet. Palästina war überhaupt ein Zankapfel und Spielball in der Hand der Weltreiche, *) Daß die Weltenreiche in Bildern als Thiere dargestellt worden, ist aus Daniel 7, 3 bekannt, wo die vier Weltmonarchien geschildert werden, und findet sich häufig im Midrasch, z. B. Bereschitz rabba Ab. 44.

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