Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 76 — lichen Gesänge als Themata ihrer Festpredigten. Es giebt eine Menge Ausgaben von Haggada's und Derascha's, wo die posfierlichsten Auslegungen des Chad Gadja — historische, philosophische, moralische, kabbalistische, allegorische und symbolische — Vorkommen, und worauf wir am Schluffe noch zurückkommen werden. Erst in neuerer Zeit hat man sich nach Parallelen umgesehen, und ahnliche Gedichte, nach dem Zeugnisse von Hammer-Purgstall, bei den Persern gefunden. Auch Wiener (Frankens Monatsschrift re. 1853. S. 319) hat hierüber einen Nachweis gegeben. Mehr hierüber stehe bei Sander's ״Das Volksleben der Neugriechen. Manheim 1844, 94 und 328". — Bereits in Busch's Kalender und Jahrbuch für Israeliten hat Hr. Sander auf die Aehnlichkeit dieser Gesänge mit neugriechischen Volksliedern hingewiesen. — Immerhin ist es sonderbar, daß ein bloß bei den deutschen Juden übliches und bekanntes Volkslied bei Persern und Neugriechen seinen Nachhall finden soll! Welche Verwandtschast hatten die deutschen Inden mit Persern und Neugriechen?*) *) Kürzlich kam mir durch Zufall ein kleines Buch in die Hand, wo mir ein dem Chad Gadja völlig entsprechendes oder gar nachgedichtetes Lied auffiel, dessen Ursprung und Alter ich zwar nicht bestimmen kann, das aber ohne Zweifel der Periode der Volksdichtung angehört'. Ich theile daher Ihren Lesern dieses Gedicht aus dem ״Kiüder-GLrtlein"; von Heinrich Weikert, Hanau 1841, S. 439, mit: Es schickt der Herr den Jokel aus, Er soll den Hafer schunden; Der Jokel schneid't den Hafer nicht Und kommet nicht nach Haus. — Da schickt der Herr den Pudel aus, Er soll den Jokel beißen; Der Pudel beißt den Jokel nicht, Der Jokel schneid't den Hafer nicht Und kommet nicht nach Haus. — Da schickt der Herr den Prügel aus, Er soll den Pudel schlagen; Der Prügel schlagt den Pudel nicht, Der Pudel beißt den Jokel nicht re. Da schickt der Herr das Feuer aus, Es soll den Prügel brennen; Das Feuer brennt den Prügel nicht, Der Prügel schlägt den Pudel nicht re. Da schickt der Herr das Wasser aus, Es soll das Feuer löschen; Das Wasser löscht das Feuer nicht, Das Feuer brennt den Prügel nicht re. Da schickt der Herr den Ochsen aus, Er soll das Wasser saufen; Der Ochse säuft das Wasser nicht, Das Wasser löscht das Feuer nicht re. Da schickt der Herr den Schlachter aus, Er soll den Ochsen schlachten; Der Schlachter schlachtet den Ochsen nicht, Der Ochse säuft das Wasser nicht rc. Da schickt der Herr den Henker aus. Er soll den Schlachter hängen; Der Henker hängt den Schlachter nicht, Der Schlachter schlacht't den Ochsen nicht rc. Da schickt der Herr den Teufel aus, Er soll den Henker holen; Der Teufel holt den Henker nicht, Der Henker hängt den Schlachter nicht rc. Da geht der Herr selbst hinaus, Und macht gar bald ein End' daraus; Der Teufel holt den Henker nun, Der Henker hängt den Schlachter nun, Der Ochse säuft das Wasser nun, Das Wasser löscht das Feuer nun, Das Fener brennt den Prügel nun, Der Prügel schlägt den Pudel nun, Der Pudel beißt den Jokel nun, Der Jokel schneid't den Hafer nun, Und kömmt sofort nach Haus. Hier haben wir nun das vollkommene Konterfei oder, wenn man will, eine Parodie des Chad Gadja.