Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1859-01-01 · 2 (1859) · p. Seite 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
2 (1859)
Issue
2 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 61 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2542917-2543094-2543097--0677-2544362
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 61 — von Israeliten ausgeübt, nur dürfen leider in der Moldau die jüdischen Aerzte kein einziges Staatsamt bekleiden (gerade so wie im nahen Rußland), was in der Walachei, wie wir später sehen werden, nicht der Fall ist. Oeffentliche Schulen und Privat-Bildungsanstalten giebt es fiir den Juden in der Moldau leider noch keine einzige, und die große Gemeinde Jassi'S hat bisher nicht daran gedacht, für die zahlreiche, dort völlig verwahrloste jüdische Jugend eine Lehranstalt zu errichten! Statt die heimischen, eiternlosen Kinder und die jungen Flüchtlinge aus der Fremde väterlich zu überwachen, sie geistig und moralisch Heravzübilden, um sie zu nützlichen Menschen zu machen, die später auf eine ehrenhafte Weise sich eine selbstständige Existenz gründen könnten, überließ man sie sich selbst, sah und stehet zu, wie sie sich von Tag zu Tag mehr verschlechtern und zu den berüchtigten Jasster ״Burlakis" im dasigen ״Schulhof" geworden sind, die mit den neapolitanischen Lazzaronis auf vollkommen gleicher Stufe der Bildung, Moralität und sozialen Unabhängigkeit stehen. Obschon man in der Moldau keine ackerbautreibenden Jsraeliten findet (wie dies z. B. in der Bukowina der Fall ist), so wohnen doch viele Juden in der Moldau auf dem Lande, und zwar als Dorfschänker oder Wirthe. Ob dieses ihnen äs Mrs erlaubt oder nur faktisch geduldet ist, weiß ich nicht, doch ist's Thatsache, daß dieses dem Reisenden sehr gut zu Statten kommt, und dadurch das Reisen in der Moldau viel weniger beschwerlich macht, als in der Walachei, wo man in den Dörfern und Feldwirthshäusern keine Juden zu sehen bekommt. (Ich wüßte nicht, daß dieses in der Walachei nicht erlaubt wäre; wahrscheinlich stammt der Mangel jüd. Wirthe daher, weil unter der verhältnißmäßig geringen Anzahl der Juden, die in der Walachei leben, nicht leicht einer sich entschließen würde, auf dem Lande zu wohnen und da eine Koscher - Wirthschaft zu eröffnen, wobei er viel seltener auf jüdische Reisende zu rechnen hätte, als in der Moldau.) Der moldauisch-jüdische Dorf- oder vielmehr Feldwirth ist bei all seinem Egoismus dennoch ein Märtyrer für das Allgemeine; denn der reelle Nutzen, den er von seiner Wirthschaft hat, wird bet weitem ausgewogen von der steten Fnrcht, in der er lebt, von

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.