Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 2 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 57 — Bachja Jbn Bakoda und Maimonides jedes Gebet für Werthlos, das nicht aus der Tiefe des Herzens fließt. In seinem Gesetzbuche mildert Maimonides im Sinne des Thalmnds die Forderung andächtigen Sinnes beim Gebete (Thef. 10, 1). Die deutschen und französischen Chaßidäer lassen die Forderung—- wol unter dem Einflüsse des mittelalterlichen Druckes, der jedem Ansschwunge des Gemüthes hinderlich war — gänzlich fallen. Dagegen traten die Sittenlehrer und Kabbalisten, wie der So har, Menachem di Lonsano und Jesajas Horowitz für die Rechte des Herzens mit allem Nachdrucke in die Schranken. Lonsano sagt: ״Die Worte sind die Schale, die Andacht ist der Kern. Die Gebetformel ist der Leib, die Andacht der Geist. Wer zerstreuten Herzens betet, dessen Gebet ist eine Schale ohne Kern, ein Leib ohne Geist (D. Chajj. 111, a)". Solche Lehren wurden nun von den polnischen Chaßidäern in den Vordergrund gestellt. Und ob auch ihre Theorie vom Gebete an wesentlichen Mängeln leidet, so ist es doch nicht zu leugnen, daß ste das gemüthliche Moment in der Gottesanbetung wieder zur Geltung gebracht haben. Die in ihren gottesdienstlichen Versammlungen herrschende Begeisterung, die sich allerdings aus eine ziemlich rohe Weise kundgiebt, konnte ihre Wirkung auf die Masse nicht verfehlen. Nach ihrer unziviltsirten Weise bringen sie wirklich neues Leben in die Synagogen des Nordens, wie es ihre gebildeteren Brüder vom Standpunkte der Kultur in die Synagogen des Südens zu bringen bemüht sind. Der rabbanitische Widerstand bleibt dort wie hier ohnmächtig, weil beide Bestrebungen ihre geschichtliche Berechtigung eben so in sich tragen, wie die Orthodoxie selbst. Denn während diese fortfährt, das Penelopenkleid der Kasuistik und des Pilpuls zu weben, steht der Chaßidismus vornehm auf dieses eroterische Treiden herab und weist zu seiner eigenen Legitimation auf den ״heiligen" Sohar und dessen Epigonen hin. Ebenso erkennet die progresstve Schule, von welcher die Veredlung deS Synagogeykultus zumeist ausgeht, daß ste, indem ste die Segnungen allgemein menschlicher Bildung in sich aufnimmt und verbreitet, mit der jüdischen Vergangenheit durchaus nicht bricht, sondern in den Fußstapfen der großen Lehrer der arabischen Kulturzeit wandelt, ohne