Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 2 (1859)
- Issue
- 1 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2542917-2543094-2543096--0651-2544335- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 36 — wo Unberufene, Rabbinen oder Laien, mit dessen Regelung und Leitung Betraut waren. Wie oft hieng da die sonst prekäre Stellung des Lehrers von Laune und Stimmung des Einzelnen, von Gnade und Ungnade befangener Jncompentenz ab! Und wie war auch da Ersprießliches auf dem Gebiete der Erziehung zu erwarten, wenn dem Jugendbildner bei seinem ernsten, heiligen Berufe die nöthige Sammlung und Seelenruhe fehlt, und jedes neue Semester ihn um seine und seiner Familie Existenz zittern macht? Unsere Schule darf sich dieses Aufschwunges um so mehr freuen, als schon ihre bedeutende Schülerzahl von circa 500 Zöglingen (darunter 200 fremde) ihren Rang unter den ersten jüd. Schulen der Monarchie rechtfertigt. Der Lehrkörper besteht aus 9 sehr tüchtigen und amtsbefiiffenen Individuen, außerdem sind 2 Lehrerinnen an der Mädchenschule angestellt. Die seit 4 Jahren bestehende Klein-Kinderbewahranstalt hat nun auch ihr Probetriennium durchgekämpft, und ist deren Fortbestand dermalen außer Zweifel gestellt. T. Päpa, 20. Dezember. Hier wurde dieser Tage ein neuer Vorstand gewählt. Mitglieder desselben find die Herren David Weltner, Jonas Fischer und L. Buch Wald. Die ersten Maßnahmen des Vorstandes benrkünden so viel Umsicht und Energie, daß sich alle Einsichtigen unserer Gemeinde zu den schönsten Hoffnungen berechtigt glauben. G. WeßPrim,im Dez. Diese Gemeinde scheint wol von dem guten Willen zum Bessern und Zeitgemäßen beseelt zu sein, und würde bereitwillig die möglichsten Opfer bringen, um allen Anforderungen der Neuzeit Rechnung zu tragen; doch fehlt ihr dazu der gottbegeisterte Seelenhirt, der treue Führer und Rathgeber, der allein sie auf den Weg des Heils zu leiten im Stande wäre. Man merkt den Mangel eines tüchtigen Rabbiners in jeder Beziehung, insonders aber im Schulwesen, das sich hier in einem vernachlässigten Zustande befindet. Die Schuld ist nicht ganz der Gemeinde zuzuschreiben. Ist es einem kriegsgerüsteten, von Muth und Kampfeslust begeisterten Heere, dem aber der Führer fehlt, welcher dasselbe zum sichern Siege führen sollte, zu verargen, wenn es unthätig dasteht, während die Kameraden unter dem genialen Feldherrn die schönsten Lorbeeren auf dem Felde des Ruhmes ernten? — Jezt, wo mau nach einer ziemlichen Panse neuerdings zu einer Rabbiuerwahl schreitet und Einigkeit am notwendigsten wäre, zersplittert sich die Gemeinde in Parteien und läßt es zu keinem Beschlüsse kommen. Herr Rabbiner Hochmuth in Knla wurde zu einer Probepredigt eingeladen, was bei einer solchen bekannten Persönlichkeit ganz überflüssig scheint. Diese Gemeinde dürfte sich vielmehr zu einer solchen Aeqnisition allenfalls Glück wünschen, denn sie würde sich unter der Leitung eines Rabbiners, wie Herr Hochmuth, bald der schönsten Blüte erfreuen. Ich hoffe nächstens viel Erfreuliches von Weßprim mittheilen zu können; denn wo der Wille ein guter ist, kann man immerhin den schönsten Hoffnungen Raum geben. Ignaz Goldjtekn.